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Zunächst einmal zur Vorgeschichte: Boiron, ein Pharmaunternehmen das mit der Herstellung von Quacksalbereien beschäftigt ist, hat einen italienischen Blogger abgemahnt, der die absurden Praktiken dieses Unternehmens thematisiert hat.

Es geht um ein fieses Homöopathikum Namens Oscillococcinum C200, in welchem Boiron Entenlebern und -herzen zermanscht. Wenn man so will eine homöopathische Entenleberpastete ohne Entenleber.

Als Inhaber der einzig wahren Materia Medica im Netz, muß ich jedoch die Solidaritäts-Blogs im Netz zu diesem Abmahnskandal geringfügig korrigieren. Denn Oscillococcinum heißt schließlich nicht “Entenleber”:

———————

Es ist völlig korrekt, daß eine C200 keinerlei Enteninnereien mehr beherbergt, sondern nur Wasser. Allerdings will Boiron nicht etwa ein sündhaftteures Barbarie-Enten-Nichts verkaufen, sondern etwas viel Geisteskrankeres.

Zunächst dachte ich, bei einem “Oscillococcus” handle es sich um einen Bandwurm – könnte ja sein, daß französische Enten unter einer geheimnisvollen Tierseuche leiden. Echinococcus = Kleiner Fuchsbandwurm, Oscillococcus= Kleiner Entenbandwurm?

Mitnichten! Das Oscillococcus ist ein noch größeres Nichts als eine C200.

Ein gewisser Joseph Roy will 1925 ein Bakterium in Menschen entdeckt haben, die seinerzeit an der spanischen Grippe erkrankt sind. Der Quacksalber machte fortan dieses Bakterium, das er Oscillococcus nannte, für fast alle Gebrechen dieser Welt verantwortlich. Freilich nur so lange, bis man ihm erfolgreich das Maul stopfte und Oscillococcus ins Reich der Märchen wanderte.

Roy wollte unter anderem dieses Bakterium auch in Wildenten entdeckt haben, weshalb die Firma Boiron nun Wildentenmatsch als Homöopathikum gegen Grippe potenziert. Verstorbene der Spanischen Grippe sind leider nicht so leicht zu beschaffen und sehen wohl auch nicht mehr so gut aus.

Im Gegensatz zu Roy ist es leider nicht so einfach multinationalen Homöopathiefirmen das Maul zu stopfen. Die würden auch ihre Großmütter lysieren, wenn es lukrativ wäre.

Und so kragelt Boiron Barbarie-Enten ab, macht aus den Innereien Matsch, verdünnt den Matsch bis er nicht mehr vorhanden ist und behauptet darin sei gleichzeitig ein Bakterium verdünnt, das es auf der ganzen Welt weder gab noch gibt. Dieses wirke dann gegen die Grippe.

Sowas nennt man einen dreifachen Betrug.

  • Homöopathie ist sowieso Betrug

 

  • Oscillococcus ist Betrug

 

  • Das Arzneimittelbild kann es nicht geben und somit kann es auch gegen nichts wirken. Das ist ein Mörderbetrug.

 

Nachtrag: Kein Mörderbetrug ist natürlich die Impfung gegen Influenza, die wir – wie jedes Jahr um diese Zeit – allen wärmstens empfehlen.

9 Responses to “Boirons Oscillococcinum ist keine Entenleber… sondern?”

  1. Hermione

    Ich bin hingerissen! :D
    Das ist noch gestörter, als ich bisher vermutet habe. Dass Homöopathie ohne Ende absurd ist, war mir klar, aber das setzt dem ganzen noch ein Sahnehäubchen mit Kirsche auf.

    Danke für diesen Artikel.

  2. admin

    Wie man ein Arzneimittelbild und eine Indikation von einem Stoff herstellt, den es überhaupt nicht gibt muß Boiron erst mal erklären. Keine Ente dieser Welt trägt ein Oscillococcus in sich.

    Ich hätte es ja verstanden, wenn sie den Schrott “foie gras C200″ genannt hätten um ihn gegen Fettlebern zu verticken. Das wäre zwar auch Schwachsinn, aber wenigstens homöopathisch.

    Aber mit einer Grippe hat das – selbst vom irrsten homöopathischen Standpunkt aus – nichts zu tun.

    Ein multinationaler Betrugskonzern, der in jeder Beziehung wirkungslose Homöopathie vertickt. Bei einer echten Influenza ist die Einnahme dieses absurden Mittels sogar lebensgefährlich.

  3. merdeister

    Also doch Quaksalber?

  4. admin

    Quacksalber ist noch zu harmlos. Das ist noch nicht einmal Homöopathie – was schon Quacksalberei genug wäre.

    Boiron schweigt sich zum tatsächlichen Arzneimittelbild aus und erwähnt lediglich die Ententeile. Daß es in Wirklichkeit um das erfundenes Bakterium eines Spinners geht, wird bei denen nirgends beschrieben.

  5. merdeister

    “Quak” ohne “c”, ein kleiner (ein homöopathischer) Scherz.

    Zitat von ScienceBasedMedicine

    “Not that it matters in this case, because the original ingredient is a pseudoscience unto itself. Mark Crislip gives the full details, here is his summary:

    ‘In the 1919 flu epidemic a physician who did not understand that artifacts on the slide, probably bubbles, move randomly due to Brownian motion. Looking at the tissues of flu patients with a microscope, he found what he thought was not only the cause of influenza, but the cause of all diseases: small cocci (round balls) that oscillated under the microscope. He found these wiggling bubbles in all the tissues of all the ill people he examined and thought he discovered the true cause of all disease. Sigh. Yet another cause of all illness. He is the only person, before or since, to see these oscillating cocci. Hence the name.’

    That’s right, oscillococcinum does not even exist – essentially Boiron takes fairy dust and then dilutes it out of (non)existence. The “anas barbariea hepatis” is basically duck liver, which is supposed to contain the most concentrated nonexistent oscillococcinum. It’s a pseudoscience trifecta.

    http://www.sciencebasedmedicine.org/index.php/homeopathic-thuggery/

  6. Medicinali – (non solo) un problema linguistico « al bando

    [...] in rete, iniziando con il British Medical Journal, passando per Droit-medical.com, La Repubblica, kidmed.org, i Scettici arrivando ad una lista ancora incompleta, che Samuele ha messo online. L’effetto [...]

  7. Arznei – (nicht nur) ein sprachliches Problem « Die Ausrufer

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  8. Homöopathie: Wachsende Boiron-Schelte « Buchstaeblich seltsam!

    [...] kann gar nicht groß genug sein, wenn eine Firma Substanzen vertickt, die z. B. keine Entenleber sowie keinen nicht existenten Krankheitserreger enthalten und dann einen Blogger angeht, der genau [...]

  9. Fundstücke 34 – Laborente « Die Ausrufer

    [...] haben, dass auch unverdünntes Oscillococcinum nicht existiert, weil es sich von Anfang an um ein Artefakt gehandelt hat, eine Laborente sozusagen. Die Geschichte ist auch hier [...]

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