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Sonntag, 27. September 2009, 17:24

http://www.gwup.org/infos/themen-nach-ge…-sie-scharlatan

E.Ernst ist der bekannteste Scharlatanerieforscher.

Er war früher mal Homöopsychopath.


Klingelt's?

Edzard Ernst

Frustriert, weil andere mit Unsinn das große Geld machen? Verzweifelt, weil Ihren Bemühungen um Wissenschaft und Aufklärung keine Anerkennung zuteil wird? Satteln Sie um! Bieten Sie „Entropische Enterospektroskopie" oder „Transzendentale Erholung" an - und werden Sie reich und berühmt damit.

Ja, es ist frustrierend, man wird fast krank davon. Da mühen Sie sich Tag für Tag ab, setzen alle Kräfte ein, um einen wissenschaftlichen Durchbruch zu erreichen. Doch der wirkliche Durchbruch kommt nie. Fehlt das Talent, der Ideenreichtum oder haben Sie einfach nicht die richtigen Kontakte? Wer weiß. Und wen interessiert das schon. Mein Ratschlag: Machen Sie eine Pause und denken Sie darüber nach, was Sie eigentlich erreichen wollen. Sie wollten einen Durchbruch in ihrem wissenschaftlichen Fachgebiet? Aber denken Sie mal: Wie viele andere versuchen genau dasselbe? Es ist hoffnungslos. Sie sollten etwas anderes versuchen. Ich rate Ihnen, den schnellen und leichten Weg zu wählen: Werden Sie Scharlatan! Die Vorteile liegen auf der Hand: Wenn Sie es richtig anfangen, haben Sie wenig Konkurrenz, Sie werden schnell berühmt, und Sie brauchen definitiv kein Genie zu sein. Hier ist ihr umfassendes „Überlebenspaket für Scharlatane":
Zuerst denken Sie darüber nach, wo eine Nische für Sie sein könnte - idealerweise in Ihrem eigenen Fachgebiet, aber das muss nicht sein. Die Nische muss noch unbesetzt sein, und sie sollte einen mysteriösen, aber dennoch anziehenden Charme haben. Da ich selbst Mediziner bin, denke ich vor allem an medizinische Beispiele: Versuchen Sie nicht, Krankheiten zu diagnostizieren, indem Sie die Augen, Zungen, Ohren oder Hände der Menschen ansehen. Viel zu viele Scharlatankollegen verdienen bereits gutes Geld mit diesen Optionen. Wie wäre es mit einer neuen Therapieform? Wie wäre es damit, Krankheiten dadurch zu heilen, dass Sie ihre getrockneten und zerriebenen Fußnägel in - je nach Mondphase - zunehmenden und abnehmenden Dosen verschreiben? Oder Sie könnten auf mysteriöse Weise ein Vakuum im Ohr erzeugen, das die „bösen Geister" in den Atemwegen und der Seele entfernt. Eigentlich geht alles, solange Sie sicherstellen, dass nur Sie diese spezielle Behandlung durchführen können. Höchstens könnten Sie sich dazu herablassen, ein paar wenige Anhänger (gegen gute Bezahlung selbstverständlich) auszubilden. Aber Vorsicht, gefährden Sie dadurch nicht Ihr Monopol!

Als nächsten wichtigen Schritt auf Ihrem Weg zum Erfolg müssen Sie der Methode einen Namen geben. Ein passender Name ist leicht gefunden; nehmen Sie ihren eigenen Namen, wenn er ein wenig mystisch klingt, oder nehmen Sie einen, der unbewusste Assoziationen weckt, etwa wie „Hannibals Handwerker" oder „Mac Masters Management" Oder, noch besser: Sie erfinden eine Mischung von Modewörtern, die Sie zu einem völlig bedeutungslosen aber höchst beeindruckend klingenden wissenschaftlichen Ausdruck zusammenfügen. „Entropische Enterospektroskopie", „Psychoanalytisches Joggen", „Transzendentale Erholung", „Kristall-Radioästhesiologie": - lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, es macht unglaublichen Spaß! - Ihre Methode braucht nun einen beeindruckenden, mysteriösen Hintergrund. Am besten ist eine Verbindung zu irgendeiner vergessenen alten Kultur, z. B. zu den Inka oder den Ägyptern. Das vermittelt den Eindruck, dass „Tausende Jahre Erfahrung" hinter Ihnen und Ihrer Methode stehen und „die Weisheit der Vorväter respektiert werden muss". Historische Wurzeln sind wichtiges Kapital, vor allem für den etwas unsicheren Scharlatan. - Was auch immer ihre Methode/ Technik/Erfindung/Theorie/usw. erzeugen oder erreichen soll, es sollte drastisch von der akzeptierten Meinung des wissenschaftlichen Establishments abweichen. Überfahren Sie das Establishments einfach, indem Sie erklären, dass der so genannte wissenschaftliche Ansatz nichts weiter als naiver Reduktionismus sei und Ihre Ideen auf einem revolutionären Paradigmenwechsel aufbauen. Schon der Versuch, Ihr Konzept im Rahmen des alten und jetzt veralteten Paradigmas wissenschaftlich zu testen, würde die Erfindung zerstören. Falls dieses Argument keinen Erfolg hat, dann bestehen Sie darauf, dass Ihre Idee nur funktioniert, wenn man an sie glaubt.

Als nächstes kommt die einzige wirklich schwierige Herausforderung auf dem Weg zum erstklassigen Scharlatan. Sie müssen überzeugend sein, sogar mehr als überzeugend: eigenwillig und charismatisch. Das braucht gewöhnlich einige Übung. Besuchen Sie Rhetorik-Kurse, treten Sie einer Theatergruppe bei, schleichen Sie sich in eine Irrenanstalt ein, aber tun sie alles, um fanatisch überzeugt und religiös missionierend zu werden. - Jetzt haben Sie es fast geschafft. Sie brauchen nur ein paar Tricks, um ihre Vorstellung zu ergänzen, aber diese werden Sie schnell mit aufschnappen, wenn Sie erst mal dabei sind. Mit Ihrem wissenschaftlichen Hintergrund wird es Ihnen leicht fallen, die wissenschaftliche Wahrheit zu verdrehen. Ihre früheren Kollegen werden Sie natürlich in Diskussionen, Interviews, Talkshows usw. herausfordern. Auf jeden Fall sollten Sie diese Gelegenheiten wahrnehmen, sie sind kostenlose Werbung. Wenn Ihre Gegner mit langweiligen Fakten ankommen, dann erwidern Sie mit fantasiereichen Verdrehungen - die Öffentlichkeit kann den Unterschied nicht verstehen, und Sie werden gewinnen, weil Ihr Konzept mehr zu bieten hat. Es erfüllt den Drang nach Irrationalität, Mystizismus und Unvernunft, der in der menschlichen Art so tief verwurzelt ist.

Wenn Sie auf Schwierigkeiten stoßen (und das wird gelegentlich passieren), dann können Sie immer behaupten, dass man Sie ständig und heftig „aus den bekannten Gründen" angreift; gehen Sie dabei nicht ins Detail, sondern erwähnen Sie einfach „Rassismus", „Außerirdische" oder „politische Gründe" oder schwafeln Sie von mächtigen Interessengruppen, die sich gegen Sie verschworen haben - die Pharmakonzerne oder die Atomenergielobby sind dafür ideal. Berichten Sie ausführlich über Ihre altruistische Hingabe trotz aller Drohungen, die Ihr Leben und das Leben Ihrer Familie bedrohen. Sie wollten sowieso schon immer ein Held werden. Der Rest dürfte ganz einfach sein. „Erfolge" Ihrer Methode werden sich jetzt schnell und mühelos einstellen. Die Leute werden sich darum drängen, ihre einzigartige Wirksamkeit zu bezeugen. Es wäre allerdings gut, wenn Sie ein paar Berühmtheiten hätten, die für Sie sprechen; nehmen Sie Filmstars, Sportler oder Popsänger. Nur keine Politiker! Nicht etwa, dass diese Sie durchschauen könnten, aber sie sind einfach nicht verlässlich genug und verfolgen gewöhnlich ihre eigenen, möglicherweise konkurrierenden Ziele. Mein letzter Rat wird auch Ihren Finanzberater freuen: Seien Sie teuer. Skrupellos, lächerlich teuer. Die Leute glauben ganz fest, je mehr sie zahlen, desto mehr ist es wert. Und ganz sicher sind Sie sehr viel wert!

Edzard Ernst ist Direktor des Centre for Complementary Health Studies an der Universität von Exeter, Großbritannien.



Dieser Beitrag erschien erstmals in der Zeitschrift The Skeptic, Bd. 9, Nr. 2, S. 6 / 7. Übersetzung aus dem Englischen: Stephan Matthiesen.

Dieser Artikel erschien im "Skeptiker", Ausgabe 1/2005.

2

Montag, 12. Oktober 2009, 12:12

Werden Sie Scharlatan.

Dann können Sie auch wie der hiesige Frisör,der sich "Geistheiler" nennt,auch Rolls-Royce fahren und Protzvillen haben.

Seine millionenschwer ausgenommenen Kunden sind bruchdumm.

3

Sonntag, 1. November 2009, 04:45

Die Pseudo-Ausbildung zum Scharlatanerie-Betrüger wird sogar vom Arbeitsamt bezahlt.

Ein einmaliger und grundgesetzeswidriger Vorgang dank debiler und schamloser Politfiguren.

Dazu auch dies:

Betrug

4

Mittwoch, 4. November 2009, 18:49

Welche "Aus - und Fortbildungen" das AA u.a. via Bildungsgutschein bezahlt, ist nachgerade ein Skandal.
Hauptsache--die Statistik ist "sauber".

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