Zu den Schüssler-Salzen.
Ein typischer armseliger und amoralischer Scharlatan-Betrüger mit Dachschaden:
Biochemie nach Schüssler
Diese Methode wurde von Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüssler (1821-1898) im 19. Jahrhundert, basierend auf Lehren der Homöopathie nach Hahnemann entwickelt.
Sein Lebenslauf war reichlich schillernd. Er wurde als Sohn des 'Amtseinnehmer und Heuermanns' Nicolaus Schüssler und dessen Ehefrau Margarete in Zwischenahn am 21.8.1821 geboren. Sein älterer Bruder, Ernst Georg Theodor Schüssler (geb. 29.4.1814) wurde Rechtsanwalt. Im Jahre 1828 verzog die Familie nach Berne. Vater Nikolaus wurde dort wegen Unterschlagung von Geldern, die er u.a. in Zwischenahn und Geldern veruntreut hatte, verhaftet und am 28.10.1834 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Wilhelm Heinrich Schüssler konnte, wohl aufgrund der desolaten finanziellen Verhältnisse seiner Eltern, keine höhere Schule besuchen. 1838 verzog die Familie nach Oldenburg, wo sich Wilhelm Heinrich zunächst als Musiklehrer durchschlug. Ab 1835 beschäftigte er sich mit fremden Sprachen und wurde durch einen Oldenburger Pastor Wulff unterstützt. Im Jahre 1855 kam Schüssler mit dem Landwirt August Plate (1818-1890) in Kontakt, der in Oldenburg homöopathische Lehren verbreitete. Plate hatte allerdings etliche Probleme mit den Behörden, da er ohne eine entsprechende Zulassung Mensch und Tier behandelte. Plate hatte gerade einmal ein Jahr die Hannoversche tierärztliche Schule besucht und kein Examen absolviert. Trotz hoher Geldstrafen (10 Taler in Gold, 30 Taler in Gold und zuletzt 100 Taler in Gold) sowie Androhung von Gefängnis praktizierte Plate munter weiter. Als sich Plate 1850 endlich vor den Behörden als Tierart prüfen lassen wollte, scheiterte er, weil sein Wissen so schlecht war, wie man es von einem Tierarzt nicht erwartet hätte. Mit diesem Herrn Plate verband Schüssler eine enge Freundschaft. Dies wohl auch vor dem Hintergrund, weil sich in Oldenburg die Rechtslage zur Ausübung der Heilkunde zu ändern begann. Bis zum Jahre 1841 hatetn Ärzte (spezialisiert auf innere Krankheiten, Hintergrund: Humoralpathologie) und Chirurgen (spezialisiert auf operative Eingriffe, Hintergrund: Bader und Barbiere) nebeneinander praktiziert. Als in diesem Jahr eine Verfügung erlassen wurde, dass zur Ausübung der äußeren Heilkunde (also für Nicht-Chirurgen) keine Erlaubnis mehr benötigt würde, mussten die Chirurgen die medizinischen Examen ablegen, um eine Berufserlaubnis zu erhalten. Mit dem Jahre 1869 jedoch fiel mit der Aufnahme des Ärztestandes in die Gewerbeordnung auch diese bis dahin in Oldenburg geltende Verpflichtung weg, so dass die Ausübung der Heilkunde für jedermann freigegeben wurde. Nur noch die Berufsbezeichnung 'Arzt' war geregelt, aber ansonsten konnte jedermann/-frau therapeutisch tätig werden. Heinrich Wilhelm Schüsslers Bruder und Rechtsanwalt Ernst Georg Theodor ermöglichte ihm ab dem Jahre 1852 das Medizinstudium. Heinrich Wilhelm, der vor seinem Bruder Ernst starb, revanchierte sich dafür in seinem Testament mit der damals hohen Summe von 80.000 Mark. Damals war zum Studium keine Vorbildung nötig und die Approbation wurde dem Arzt nicht von der Universität, sondern vom Staat erteilt. Die Universitäten waren damals noch keine staatlichen Einrichtungen. Da Oldenburg keine Universität hatte, studierte Schüssler in Paris (1852-1853), Berlin (Oktober 1853 bis August 1854), Gießen (November 1854 - Februar 1855) und schließlich in Prag (1855). Am 1.3 1855 promovierte Schüssler zum Dr. med., allerdings ohne Ablieferung einer Dissertationsschrift, ohne Leistungsnachweis und in absentia (Abwesenheit), was damals vor allem an der Universität Gießen problemlos möglich war. Zur medizinischen Staatsprüfung, also jener Prüfung, die zur Erlangung der Berufserlaubnis notwendig war, bewarb Schüssler am 18. September 1855, bekam aber vier Tage später eine Absage, weil die notwendigen Unterlagen fehlten. Am 11. Oktober versuchte er es neuerlich und bekam am 24. Oktober wiederum eine Absage, weil über seine medizinischen Vorstudien keine Unterlagen vorlagen und seine Versicherung, Medizin studiert zu haben, nicht ausreichend sei. Daraufhin erklärte Schüssler am 22. November 1855, dass er die Absicht habe, das geforderte 'Maturitätszeugnis' an dem Orte zu machen, wo er sein Studium bendet habe (nämlich Prag). Er bat darum, die dort erworbenen Zeugnisse anzuerkennen. Dies wurde zunächst abgelehnt, aber aufgrund einer Bittschrift an die zuständige Regierung nachfolgend doch genehmigt. am 19.8.1856 bat Schüssler den Großherzog um die Ermäßigung der Anforderungen zum Maturitätsexamen, da seine Schulkenntnisse nicht ausreichend seien. Er wollte vor allem in Mathematik, Geschichte, Griechisch und Geographie nicht streng geprüft werden. Diese Eingabe wurde abgelehnt. Er musste ein Reifezeugnis am Alten Gymnasium in Oldenburg ablegen und tat dies am 4.3. 1857. Dies ermöglichte ihm endlich, am 12. August 1857 vor dem 'Collegium medico' der Stadt Oldenburg seine Ärztliche Prüfung abzulegen .... und prompt wegen mangelhafter bzw. ungenügender Kenntnisse durchfiel. Sein Prüfer, der Arzt Kelp, schrieb: Von den Hülfswissenschaften Chemie und Botanik hat der Examinand nur dürftige Kenntnisse; es scheint derselbe diese Fächer aber flüchtig studiert zu haben. (...) Die Arbeiten des Examinanden sind m. E. sehr mittelmäßig. Sine oberflächliche bildung, ungründliches Wissen und Urtheil machen sich bemerklich. Ich finde keine Frage gut beantwortet.. Der Prüfer Dr. Rudolph Kindt meinte: Seine manuelle Geschicklichkeit scheint gering zu sein; seine Hände sind linkisch, wie überhaupt sein Körper. In der Untersuchung der Kranken kann ich seine Zuverlässigkeit rühmen. Seine Krankengeschichten sind so dürftig, immer ohne Geist, aber nie entschieden unrichtig. Heinrich Wilhelm Schüssler mag ein schlechter Arzt, aber kein schlechter Geschäftsmann gewesen sein. So iniziierte er eine Unterschriftenaktion, die 309 Oldenburger Bürger unterschrieben. Sie war an den 'verehrlichen Stadtrath der Stadt Oldenburg' gerichtet mit der Bitte, Schüssler doch noch die Berufserlaubnis zu erteilen. Tatsächlich erhielt er sie am 2. Januar 1858 und zwar deshalb, weil Schüssler versicherte, sich nur homöopathisch betätigen zu wollen.
Die Theorien des Schüssler und seine Mittel
Nach Meinung Schüsslers entstanden alle Krankheiten durch den Mangel an bestimmten lebensnotwendigen Mineralstoffen und wenn diese zugeführt würden, träte die Heilung ein. Dabei war er der Auffassung, dass die Zufuhr nur in allergerinsten Dosen durchgeführt werden dürfe und in solchen Verdünnungen zu erfolgen habe, dass der Übertritt der angeblich heilwirksamen Salze unmittelbar durch die Schleimhäute der Mundhöhle, des Schlundes und der Speiseröhre erfolgen könne. Die von ihm empfohlenen Mittel waren Kalzium (C. floratum, C. phosphoricum, C. sulfuricum), Eisen (F. phosphoricum), Kalium (K. muriaticum, K. phosphoricum, K. sulfuricum), Magnesium (M. phosphoricum), Natrium (N. muriaticum, N. phosphoricum, N. sulfuricum) und Silizium. Abgerundet wurde sein System durch sog. 'biochemische Ergänzungsmittel' wie Arsen (A. jodatum), Kalzium (C. carbonicum, C. sulfuratum), Kalium-Aluminium, Kaliumarsenid, Kaliumbromid, Kaliumjodid, Lithiumchlorid, Mangansulfid, Natriumbikarbonat und Zinkchlorid. Die von Schüssler verwendeten Salze werden auch in der Homöopathie eingesetzt. Der Unterschied zwischen beiden System liegt darin, dass Schüssler ausschließlich D-Potenzen verwendete. Danach wurde in 10er-Verdünnungen vermischt. Es kamen nur D6 (1 : 100.000) und D12-Potenzen zum Einsatz. Im Gegensatz zur Homöopathie, wo eine 'Dynamisierung' durch Verreiben erfolgt, unterblieb dies bei den sog. 'Schüssler-Salzen'.
Die historische Entwicklung
Im Gegensatz zur Homöopathie Hahnemanns, die nach seinem Tod zunehmend an Bedeutung verlor, konnte die Schüssler'schen Biochemie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts und sogar bis in die 1930iger Jahre des 20. Jahrhunderts enorm an Bedeutung gewinnen. Ursache dafür war, dass der geschäftstüchtige Schüssler bereits zu Zeit, als er seine Lehre implementierte, diese durch Laienvereine propagieren lies. Dies brachte ihm Patienten als auch glühende Verehrer ein, die seine Lehren durch das damalige dt. Reich verbreiteten. Während der Weimarer Republik hatten die Schüssler-Vereine 10.000sende von Mitgliedern und waren die größte Quacksalbervereinigung auf Laienebene. Dies führte auch anfänglich zu engen Beziehungen zu den Nationalsozialisten, deren Aufstieg durch die Schüssler'schen Verbände gefördert wurden. Die eine Hand wusch dabei die andere. Dies führte so weit, dass im Dritten Reich Versuche mit Schüssler-Salzen im KZ Dachau durchgeführt wurden. Diese sog. Phlegmonenversuche waren Gegenstand im Ärzteprozess 1949 vor dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Nürnberg. Diese Versuche, die durch Heinrich Himmler iniziiert und unterstützt worden waren, verliefen jedoch im Sande. Die gequälten Insassen verloren teilweise ihr Leben bei den mittelalterlichen Rosskuren. Das Versagen der Biochemie nach Schüssler hatte zur Folge, dass sie bei den Nazi-Bonzen in Ungnade fiel. Es kam zur Auflösung des 'Biochemischen Vereins Oldenburg e.V.' im Jahre 1944, der seit dem Jahre 1885 bestanden hatte und zeitweise der mitgliederstärkste Verein gewesen war. Von diesem Schlag hat sich die Schüssler-Szene bis heute nicht mehr erholt. Sie führt nur noch ein Nischendasein und gilt heute als schmückendes Beiwerk der Homöopathie-Szene, wie es auch die Anhänger der Bach'schen Blütentherapie sind. Allerdings nimmt die Zahl der Schüssleranhänger langsam wieder zu. Obgleich es für die 'Schüssler-Salze' keinerlei Wirksamkeitsnachweis gibt, dürfen sie in der Bundesrepublik Deutschland frei verkauft werden. Hersteller für diese Quacksalberprodukte ist u.a. die Deutsche Homöopathie Union in Karlsruhe. Der Grund, warum dies gesetzlich legitim ist, ist der Umstand, dass man diese Mittel als der Homöopathie zugehörig deklariert hat. Diese wiederum hat auf Druck u.a. des verstorbenen Bundespräsidenten Carl Carstens einen Sonderstatus im Arzneimittelrecht erhalten. So müssen homöopathische Mittel keinen Wirksamkeitsnachweis führen, sondern es reicht aus, wenn sie für ein paar Tausend Euros registriert werden. Solange ihr Ausgangsmaterial (z.B. ein Mineral oder eine Pflanze) im Homöopathischen Arzneimittelbuch gelistet ist (welches übrigens durch die Nationalsozialisten im Jahre 1934 gegen den Widerstand der damaligen deutschen Apothekerschaft implementiert wurde), kann diese Quacksalberei mühelos legal in den Verkehr gebracht werden. Die entsprechenden Hersteller sparen dadurch Millionenbeträge für klinische Studien, die jedoch Anbieter seriöser Produkte durchaus zu berappen haben. Hauptanwender der Schüssler'schen Biochemie sind Heilpraktiker, seltener approbierte Ärzte.
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