Ich finde es schon faszinierend, nein, eigentlich ekelhaft, wie die eigentlichen Profiteure und Initiatoren der behandlungsbedürftigen Befindlichkeitsstörung,
sich jetzt über die Auswüchse echauffieren, die sie selbst zu verantworten haben.
Wenn, wie in der Homöopathie, letztlich jede menschliche Wesensäußerung, jeder Daseinsaspekt - sei es der vibrierende Eckzahn, sei es ein intensive Bindung an die Eltern, sei es der nächtliche Schweißausbruch in warmen Sommernächten - zum Symptom einer geistartigen Verstimmung erklärt wird, für die dann in einem ganz und garnicht ganzheitlichen, dafür ganz und gar mechanistisch-funktionalem Denken, ein Medikament (mit Sicherheit) gefunden wird, dann darf man sich doch nicht ernsthaft darüber wundern, wenn damit eine Generation von Junkies erzeugt wird; und natürlich die Dealer, die den Stoff liefern.
Durch die vulgäre Psychopathologisierung unserer Gesellschaft, die letztlich eine Folge der Überbewertung der Psyche im Krankheitgeschehen ist, und die wiederum der absurden Denk- und Wahnwelt der Alternativheilerei enstammt, werden nicht nur wesentliche exogene Faktoren ausgeblendet, es verlagert sich der Gesundungsprozess ausschließlich in die Verantwortung des Erkrankten und ausdrücklich auch auf seinen Beitrag.
Hier wurden und werden auf zynische Art Bedürfnisse erzeugt, die sich heute im medizinischen Markt unübersehbar darstellen.
Wer für die chronische chemikalieninduzierte Dermatose einer Hauswirtschafterin nicht mehr fehlenden Hautschutz und ein beschissenes Management in Sachen Arbeitssicherheit verantwortlich macht, sondern die Ursachen in geistartigen Verstimmungen sucht, schafft damit auch eine zusätzliche Nachfrage nach Therapeutika. Ganz ganzheitlich, ganz alternativ, ganz "Neues Denken".
Insoweit ist die Kritik am ausufernden Medikamenten- und Therapiemarkt dort völlig falsch angesetzt, wo in einer kapitalistischen Gesellschaft sich Marktteilnehmer nachfrageorientiert verhalten. Der eigentliche Ansatzpunkt für Kritik ist der kulturelle Prozess, aus dem diese Nachfrage entstanden ist.
Und dessen Wurzeln findet man bei Blavatsky, Steiner, oder Hahnemann, bei Keyserling, Capra oder Ferguson, bei Hubbard, Bhagwan oder Maharishi, und vor allem bei deren Adepten, die jeden Tag ihren Wahn auf´s neue unters Volk bringen.
Der Zirkus der Idioten ist in der Jetztzeit angekommen, die Clowns beschweren sich übers Publikum.
Pianoman