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1

Montag, 12. August 2002, 21:59

Sehr geehrter Herr Dr. Kinderarzt,

meine letze Impfung lag 15 Jahre zurück. Mein Hausarzt empfahl eine erneute Immunisierung bzw. Impfung gegen Tetanus, Diphterie und Polio. Dazu hat er eine Impfung mittels Pentavac vorgenommen, das ja nun auch gegen Grippe und Keuchhusten immunisieren soll. War das nicht etwas zuviel des Guten? Handelt es sich bei Keuchhusten nicht eher um eine Kinderkrankheit? Überhaupt sind sämtlich Informationen, die ich im Internet zu dem Mittel Pentavac finden, kann, immer im Zusammenhang mit der Grundimmunisierung von Kleinkindern genannt. Sind die in Pentavac verwendeten Impfstoffe überhaupt für Erwachsene geeignet bzw. wirksam? Im Übrigen habe ich seit der Impfung (09.08.02) nicht nur eine Schwellung an der Einstichstelle der Spritze (rechte Gesäßhälfte), sondern nunmher auch auf der gegenüberliegenden Vorderseite in der Leistengegend - vermutlich ein geschwollener Lymphknoten. Das ist, nun ja, sagen wir mal freundlich "unangenhem". Ich habe mir zunächst mit Rheumasalbe zu behelfen versucht, dann mit Heparin-Gel. Besser geworden ist es bislang nicht. Muss mich das beunruhigen oder darf ich davon ausgehen, dass das alles so seine Richtigkeit hat?

Vielen Dank für die Beantwortung meiner Frage im voraus und herzliche Grüße,

Stefan

2

Montag, 12. August 2002, 22:40

Hallo;
Der Kollege hat einen klaren Fehler gemacht:
Pentavac ist für Sie ungeeignet wegen des zu hohen Diphterieanteils.Das ist ein Impfstoff für Kinder unter 6,die diesen höheren Anteil brauchen.

Um die Keuchhustenimpfung wäre ich gar nicht böse.Das kann Ihnen nur nützen.Das Gleiche gilt für die eigentlich bei Ihnen unangebrachte HiB-Impfung.

Was Sie da jetzt haben,ist eine Impfreaktion mit Beteiligung der für das Gebiet zuständigen Leistenlymphknoten.Schlimm ist das nicht.

Der Kollege hat Fortbildungsbedarf.

3

Dienstag, 13. August 2002, 06:21

Ich bedanke mich sehr herzlich für Ihre rasche Auskunft.

4

Dienstag, 13. August 2002, 08:52

Lieber Stefan,

um einen Begriff von Herrn Kinderarzt aufzugreifen: Scharlatane gibt es auch bei Schulmedizinern, wie Ihr Arzt beweist.

Pentavac ist ein Impfstoff für Säuglinge und Kleinkinder, der folgende Komponenten enthält: Tetanus, Diphtherie, Polio (Kinderlähmung), Pertussis (Keuchhusten) und Haemophilus influenzae Typ B (bakterielle Hirnhautentzündung, kurz HIB genannt).

Der Diphtherie-Anteil ist 10mal so hoch wie beim Erwachsenen-Impfstoff. Über eine Lokalreaktion mit Lymphknotenbeteiligung hinaus ist bei Ihnen aber ja alles im grünen Bereich geblieben.

HIB trotz des Namens bitte nicht mit Grippe (Influenza) verwechseln. HIB sind Bakterien, Grippe wird durch Viren verursacht. Die HIB-Komponente bringt Ihnen keinen Nutzen, schadet aber auch nicht.

Freuen Sie sich über die zusätzliche Keuchhusten-Komponente. Die Erkrankung ist bei Erwachsenen zwar nicht lebensbedrohlich, aber äußerst unangenehm und lang anhaltend. Bei Jugendlichen und Erwachsenen spricht man daher auch von 100-Tage-Husten.

Zu (un)guter Letzt: Ins Gesäß wird schon lange nicht mehr geimpft, da dort der Impfstoff oft im Fettgewebe und nicht im Muskel landet. Eine Immunantwort und damit ein Impfschutz wird aber nur bei Injektion in den Muskel erzeugt.

Sollte diese Unwissenheit Ihres Arztes daraus zurückzuführen sein, dass Impfen bei ihm normalerweise nicht statt findet, er aber ansonsten kompetent erscheint, bleiben Sie ruhig bei ihm. Sollte das Ganze aber doch eher Ausdruck seiner Inkompetenz insgesamt sein: Suchen Sie sich einen neuen.

Meine Empfehlung: Sprechen Sie ihn doch einfach mal an, wie er das so sieht. Mosert er rum und zeigt er sich uneinsichtig, dann an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) melden und dabei um Rückmeldung bitten, was unternommen wird. Sollten Sie nach 4 Wochen nichts von der KV hören: Anmahnen mit Fristsetzung.

Gruß - MH

5

Dienstag, 13. August 2002, 20:51

Lieber Michael,

danke für Ihre Hinweise, insbesondere über die mit der Höhe des Diphterie-Anteils sowie der Korrektur, soweit es meinen irrtümlich vermuteten Schutz gegen Grippe angeht.

Allerdings möchte ich anmerken, dass ich eigentlich nur eine medizinische Auskunft und niemanden an den Pranger stellen wollte. Nicht, weil es mir etwa peinlich wäre, sondern es im vorliegenden Fall einfach für ungerechtfertigt halte, auch, wenn ich selbst über keinerlei medizinische Kenntnisse verfüge. Zur Klarstellung möchte ich daher einige Ergänzungen zum Sachverhalt geben, um einem möglichen Kesseltreiben gegen meinen Arzt vorzubeugen:

Es handelt sich bei dem behandelnden Arzt um einen Hausarzt, der die Praxis erst vor kurzem von meinem früheren Hausarzt übernommen hat. Da er für einen Arzt einen noch recht jungen Eindruck macht, wird er zwangläufig über Impfungen noch nicht über die Erfahrung verfügen können wie ein altgedienter Kollege. Mit der Kombination der Impfstoffe Tetanus, Diphterie und Polio in einer Spritze hat mir eigentlich nur einen Gefallen tun wollen, um die Zahl der Spritzen nicht höher ausfallen zu lassen als nötig. Da der Mann auch kein Apotheker ist, hat er seine Helferin gebeten, sich bei der Apotheke zu erkundigen, ob es einen kombinierten Impfstoff gibt. Ob die Helferin bei der Anfrage in der Apotheke möglicherweise versäumt hat anzugeben, dass es sich um die Impfung eines Erwachsenen handelt oder ob die Apothekerin nicht wusste, dass der Impfstoff bei Kleinkindern angewendet wird oder ob sie gar der Meinung war, dass auch trotz des erhöhten Diphterie-Anteils Pentavac für die Impfung Erwachsener geeignet ist, weiß ich nicht. Ich möchte darüber auch nicht weiter spekulieren. Ein Arzt muss sich m.E. aber auch darauf verlassen können, dass er von der Apotheke eine verlässliche Auskunft bekommt. Ansonsten könnte er ja direkt alles selber machen.
Mein Hausarzt hat dann vor der Impfung den Beipackzettel überflogen. Die zusätzlichen Impfstoffe HiB und Keuchhusten hat er dabei auch nicht als schädlich angesehen - wie Herr Dr. Brinkmann in seiner Antwort im Übrigen ja auch nicht. Letztlich kann ich - zumindest über die HiB- Impfung wohl auch nur glücklich sein. Eine Bekannte hat sich von den Folgen eines Zeckenbisses (Hirnhautentzündung) nie richtig erholt (wie gesagt, ich bin ohne medizinische Kenntnisse, denke aber, dass die HiB- Impfung vor derartigen Erkrankungen schützen kann - spielt hier aber auch weiter keine Rolle). Dass ein Arzt dann jeden Beipackzettel eingehend studiert und dann ggfls. noch nachschlägt, ob die im Beipacktzettel jeweils angegebenen Mengen auch tatsächlich mit den für den jeweiligen Fall empfohlenen Mengen übereinstimmen, halte ich in der Praxis, angesichts überfüllter Wartezimmer, wohl für unrealistisch. Der Laden muss ja auch irgendwie laufen.

Im Übrigen habe ich den Arzt heute mit meinen Bedenken konfrontiert, ob es sich in meinem Fall mit Pentavac um den richtigen Impfstoff gehandelt hat, wobei ich ihm auch einen Ausdruck meiner Anfrage an Herrn Dr. Brinkmann und dessen Stellungnahme hierzu vorlegte (nicht nur, um in meinem eigenen Fall zu überdenken, ob man für die Auffrischung auf einen anderen Impfstoff zurückgreift, sondern auch, falls sich der Impfstoff für Erwachsene als gänzlich ungeeignet oder gar schädlich erweisen sollte, um dem Arzt einen Hinweis für künftige Impfungen weiterer Erwachsener zu geben).
Neben den Faktoren, die ich bereits oben genannt habe, die bereits vor der Impfung für den kombinierten Impfstoff Pentavac sprachen (nur 1 Spritze, zusätzliche HiB- und Keuchhusten - Komponenten schaden nicht), erklärte mir der Arzt, dass der erhöhte Diphterie-Anteil damit zu begründen ist, dass man bei Kleinkindern die Anfälligkeit für diese Krankenheit als höher ansieht. Er hält es jedoch für so gut wie ausgeschlossen, dass ein erhöhter Diphterie-Anteil bei Erwachsenen schädlich sein soll. Von daher findet er auch nicht, dass man die Impfung mit Pentavac bei Erwachsenen direkt als falsch bezeichnen kann. (Nach meinem (Laien-) Empfinden dürfte der Impfstoff , wenn er schon für Erwachsene schädlich wäre, wohl auch erst recht nicht bei Kleinkindern zur Anwendung kommmen dürfen.)
Wir sind übereingekommen, dass sich mein Arzt erkundigen wird, ob der erhöhte Diphterie-Anteil in Pentavac schädliche Wirkung bei der Erwachsenenimpfung hat. Sollte dies der Fall sein, wird er das nächste Mal eine herkömmliche Impfung mit 3 Spritzen vornehmen. Ansonsten wird die Impfung mit demselben Impfstoff fortgeführt bzw. aufgefrischt. Letzteres könnte aus meiner Sicht (als medizinischer Laie) auch durchaus Sinn machen, da ich mir durchaus vorstellen kann, das für Impfpräparate verschiedener Hersteller auch unterschiedliche Erreger für die Herstellung des Impfstoffes verwendet werden und eine "Auffrischung" in dem Sinne mit einem anderen Präparat u.U. gar nicht den erwünschten Effekt erzielt.

Was das Spritzen in das Gesäß anbelangt - als Laie weiß ich natürlich nicht, wo aus medizinischer Sicht das Gesäß anfängt und wo es aufhört. Ich würde sagen - die Spritze wurde am allerobersten Rand der rechten Gesäßhälfte, schon ziemlich zur rechten Körperseite hin, gesetzt. Fett sitzt da m.E. nicht - jedenfall bei mir nicht. Offenbar ist bei mir ja auch eine Impfreaktion erfolgt, sonst hätte ich da ja keinen "Knubbel" und keine Schwellung des Lympfknotens in der Leistengegend.

Schließlich meinte mein Arzt, er hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn ich seinen Namen genannt hätte. Vielleicht wolle er sich in dem Forum ja zu dem Thema auch mal zu Wort melden. Ich denke, dass die Tasache, dass er offenbar eine fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik nicht scheut, doch für ihn spricht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die in der Juristerei geltende Aussage "2 Juristen, 3 Meinungen" hin und wieder auch auf die Medizin übertragbar ist. Von daher glaube ich auch nicht, dass man in der Medizin immer mit Absolutheit von "richtig" und "falsch" sprechen kann.

Im Übrigen machte der Arzt auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Wechseln werde ich ihn sicherlich nicht. Nun, selbst, wenn es seine erste Impfung (oder die erste mit Pentavac) gewesen sein sollte - bei irgendjemandem muss der Mann ja nun mal anfangen und seine praktischen Erfahrungen sammeln. (Wenn ich jetzt allerdings von Diphterie dahingerafft werden sollte, werde ich - oder meine Hinterbliebenen - diese Aussage vielleicht ja noch mal überdenken...)

Nichts für ungut - im Grunde bin ich ja dankbar, dass Sie es gut mit mir meinen und mir helfen möchten. Aber ich möchte gegenüber dem behandelnden Arzt auch fair bleiben. Vielleicht hätte ich den Sachverhalt besser auch schon direkt beim ersten Mal so geschildert. Aber, wie bereits gesagt, mir ging es in erster Linie ja um eine medizinische Auskunft und nicht um das Schreiben meiner Memoiren...

Trotzdem bedanke ich mich nochmals für Ihre Antwort und die damit verbundene Mühe.

Mit freundlichem Gruß,

Stefan

6

Dienstag, 13. August 2002, 22:31

Sie sind ein sehr netter Mensch.
Wenn Sie mir Ihren Impfpaß durchgeben,sage ich Ihnen,was Sie wann eventuell noch brauchen.

7

Mittwoch, 14. August 2002, 09:27

eine frage:

"da dort der Impfstoff oft im Fettgewebe und nicht im Muskel landet. Eine Immunantwort und damit ein Impfschutz wird aber nur bei Injektion in den Muskel erzeugt."

... ist das stand der dinge? warum bleibt die immunisierung aus, wenn ich in anderen (durchblutete) gewebe lande?

8

Mittwoch, 14. August 2002, 11:04

Lieber Stefan,

besten Dank für Ihre ausführliche Erläuterung. Ich wollte weder Sie unter Druck (Arztwechsel) noch jemanden an den Pranger stellen (Ihren Arzt). Aber ich gerate manchmal in Rage, wenn ich höre, welche Leistungen Ärzte mitunter vollbringen.

Welche Impfungen für wen empfohlen sind und Hinweise zur Durchführung können Sie und Ihr Arzt unter http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/IMPFEN.HTM lesen (offizielle STIKO-Empfehlungen).

Ich wollte nicht den Eindruck erwecken, dass die höhere Diphtherie-Dosis für Erwachsene schädlich ist. Mit heftigen Lokalreaktionen muss allerdings gerechnet werden. In der Fachinfo heißt es: Ab dem vollendeten 5. Lebensjahr sollte Pentavac nicht mehr verabreicht werden.

HINWEIS: Seit Herbst 2000 gibt es für Säuglinge 6-fach Impfstoffe, die dann auch eine Hepatitis B-Komponente einschließen (z.B. Hexavac).

Die Impfung in den Oberarm (M. deltoides) ist heute (bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen) Standard. Das heißt nicht, dass KEINE Immunantwort induziert wird, wenn wo anders geimpft wird. Die Immunantwort KANN ansonsten aber eingeschränkt sein.

TIPP: Für Jugendliche und Erwachsene gibt es natürlich auch Kombi-Impfstoffe. Einen 3-fach gegen Tetanus, Diphtherie, Polio (Revaxis) und einen 4-fach gegen die genannten 3 plus Keuchhusten (Repevax). Lassen Sie sich in 10 Jahren also nur 1mal pieksen.

Gruß - MH

9

Mittwoch, 14. August 2002, 22:15

Sehr geehrter Herr Dr. Brinkmann,

vielen Dank für das freundliche Kompliment und für Ihr verlockendes Angebot, das ich sehr zu schätzen weiß.
Außer einer Tbc-Impfung (BCG) 2 Tage nach meiner Geburt im Jahre 1967 sind in meinem Impfpass ledlich Eintragungen über Diphterie (letzte Impfung 1974), Tetanus (letzte Impfung 1987) und polio (oral) (letzte Impfung 1972) vermerkt. Ob ich in meiner Kindheit auch gegen diverse Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln geimpft wurde, weiß ich nicht mehr. Eingetragen ist im Impfpass außer den o.g. Impfungen sonst jedenfalls nichts.

Herzlichen Dank nochmals für Ihre Mühen. Die Einrichtung eines solchen Forums halte ich insgesamt für eine ausgezeichnete Sache.


Lieber Michael,

herzlichen Dank auch Ihnen für Ihre hilfreichen zusätzlichen Informationen zur Impfung. Um den von Ihnen angegebenen Link genauer zu studieren, werde ich allerdings erst am Wochendende die nötige Zeit finden, dort ist ja recht viel über Impfungen zu finden. Ein guter Tip!

Mit freundlichem Gruß,

Stefan

10

Donnerstag, 15. August 2002, 02:06

Kinderarzt,Sir....immer noch Kinderarzt.
Brinkmann ist ein anderer.

Ich hatte um Ihren kompletten Impfpaß gebeten.
Wenn die letzten Eintragungen die einzigen sind,brauchen Sie Grundimmunisierungen;d.h. nach Ihrer Pentavac 6 Wochenv später Revaxis und MMR.In 1 Jahr noch mal Revaxis(Td und Polio).Keuchhusten,wenn nicht sicher gehabt(Repevax: Td,Polio und Keuchhusten).Hepatitis B-Impfung äußerst empfehlenswert für Jedermann(zahlt die öffentliche Kasse nicht).

11

Donnerstag, 15. August 2002, 06:27

Oh, ich bitte um Verzeihung für die Namensverwechslung.
Leider wusste ich nicht, wie die Übermittlung der kompletten Impfpässe hätte ablaufen können oder von Ihnen gemeint war(Phone, Fax, email mit Scan...). Die Übermittlung der von mir genannten Daten hielt ich aber auch für aureichend.
Für Ihre Impfhinweise bedanke ich mich jedenfalls nochmals sehr herzlich.

Mit freundlichem Gruß,

Stefan

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