Lieber Michael,
danke für Ihre Hinweise, insbesondere über die mit der Höhe des Diphterie-Anteils sowie der Korrektur, soweit es meinen irrtümlich vermuteten Schutz gegen Grippe angeht.
Allerdings möchte ich anmerken, dass ich eigentlich nur eine medizinische Auskunft und niemanden an den Pranger stellen wollte. Nicht, weil es mir etwa peinlich wäre, sondern es im vorliegenden Fall einfach für ungerechtfertigt halte, auch, wenn ich selbst über keinerlei medizinische Kenntnisse verfüge. Zur Klarstellung möchte ich daher einige Ergänzungen zum Sachverhalt geben, um einem möglichen Kesseltreiben gegen meinen Arzt vorzubeugen:
Es handelt sich bei dem behandelnden Arzt um einen Hausarzt, der die Praxis erst vor kurzem von meinem früheren Hausarzt übernommen hat. Da er für einen Arzt einen noch recht jungen Eindruck macht, wird er zwangläufig über Impfungen noch nicht über die Erfahrung verfügen können wie ein altgedienter Kollege. Mit der Kombination der Impfstoffe Tetanus, Diphterie und Polio in einer Spritze hat mir eigentlich nur einen Gefallen tun wollen, um die Zahl der Spritzen nicht höher ausfallen zu lassen als nötig. Da der Mann auch kein Apotheker ist, hat er seine Helferin gebeten, sich bei der Apotheke zu erkundigen, ob es einen kombinierten Impfstoff gibt. Ob die Helferin bei der Anfrage in der Apotheke möglicherweise versäumt hat anzugeben, dass es sich um die Impfung eines Erwachsenen handelt oder ob die Apothekerin nicht wusste, dass der Impfstoff bei Kleinkindern angewendet wird oder ob sie gar der Meinung war, dass auch trotz des erhöhten Diphterie-Anteils Pentavac für die Impfung Erwachsener geeignet ist, weiß ich nicht. Ich möchte darüber auch nicht weiter spekulieren. Ein Arzt muss sich m.E. aber auch darauf verlassen können, dass er von der Apotheke eine verlässliche Auskunft bekommt. Ansonsten könnte er ja direkt alles selber machen.
Mein Hausarzt hat dann vor der Impfung den Beipackzettel überflogen. Die zusätzlichen Impfstoffe HiB und Keuchhusten hat er dabei auch nicht als schädlich angesehen - wie Herr Dr. Brinkmann in seiner Antwort im Übrigen ja auch nicht. Letztlich kann ich - zumindest über die HiB- Impfung wohl auch nur glücklich sein. Eine Bekannte hat sich von den Folgen eines Zeckenbisses (Hirnhautentzündung) nie richtig erholt (wie gesagt, ich bin ohne medizinische Kenntnisse, denke aber, dass die HiB- Impfung vor derartigen Erkrankungen schützen kann - spielt hier aber auch weiter keine Rolle). Dass ein Arzt dann jeden Beipackzettel eingehend studiert und dann ggfls. noch nachschlägt, ob die im Beipacktzettel jeweils angegebenen Mengen auch tatsächlich mit den für den jeweiligen Fall empfohlenen Mengen übereinstimmen, halte ich in der Praxis, angesichts überfüllter Wartezimmer, wohl für unrealistisch. Der Laden muss ja auch irgendwie laufen.
Im Übrigen habe ich den Arzt heute mit meinen Bedenken konfrontiert, ob es sich in meinem Fall mit Pentavac um den richtigen Impfstoff gehandelt hat, wobei ich ihm auch einen Ausdruck meiner Anfrage an Herrn Dr. Brinkmann und dessen Stellungnahme hierzu vorlegte (nicht nur, um in meinem eigenen Fall zu überdenken, ob man für die Auffrischung auf einen anderen Impfstoff zurückgreift, sondern auch, falls sich der Impfstoff für Erwachsene als gänzlich ungeeignet oder gar schädlich erweisen sollte, um dem Arzt einen Hinweis für künftige Impfungen weiterer Erwachsener zu geben).
Neben den Faktoren, die ich bereits oben genannt habe, die bereits vor der Impfung für den kombinierten Impfstoff Pentavac sprachen (nur 1 Spritze, zusätzliche HiB- und Keuchhusten - Komponenten schaden nicht), erklärte mir der Arzt, dass der erhöhte Diphterie-Anteil damit zu begründen ist, dass man bei Kleinkindern die Anfälligkeit für diese Krankenheit als höher ansieht. Er hält es jedoch für so gut wie ausgeschlossen, dass ein erhöhter Diphterie-Anteil bei Erwachsenen schädlich sein soll. Von daher findet er auch nicht, dass man die Impfung mit Pentavac bei Erwachsenen direkt als falsch bezeichnen kann. (Nach meinem (Laien-) Empfinden dürfte der Impfstoff , wenn er schon für Erwachsene schädlich wäre, wohl auch erst recht nicht bei Kleinkindern zur Anwendung kommmen dürfen.)
Wir sind übereingekommen, dass sich mein Arzt erkundigen wird, ob der erhöhte Diphterie-Anteil in Pentavac schädliche Wirkung bei der Erwachsenenimpfung hat. Sollte dies der Fall sein, wird er das nächste Mal eine herkömmliche Impfung mit 3 Spritzen vornehmen. Ansonsten wird die Impfung mit demselben Impfstoff fortgeführt bzw. aufgefrischt. Letzteres könnte aus meiner Sicht (als medizinischer Laie) auch durchaus Sinn machen, da ich mir durchaus vorstellen kann, das für Impfpräparate verschiedener Hersteller auch unterschiedliche Erreger für die Herstellung des Impfstoffes verwendet werden und eine "Auffrischung" in dem Sinne mit einem anderen Präparat u.U. gar nicht den erwünschten Effekt erzielt.
Was das Spritzen in das Gesäß anbelangt - als Laie weiß ich natürlich nicht, wo aus medizinischer Sicht das Gesäß anfängt und wo es aufhört. Ich würde sagen - die Spritze wurde am allerobersten Rand der rechten Gesäßhälfte, schon ziemlich zur rechten Körperseite hin, gesetzt. Fett sitzt da m.E. nicht - jedenfall bei mir nicht. Offenbar ist bei mir ja auch eine Impfreaktion erfolgt, sonst hätte ich da ja keinen "Knubbel" und keine Schwellung des Lympfknotens in der Leistengegend.
Schließlich meinte mein Arzt, er hätte auch nichts dagegen gehabt, wenn ich seinen Namen genannt hätte. Vielleicht wolle er sich in dem Forum ja zu dem Thema auch mal zu Wort melden. Ich denke, dass die Tasache, dass er offenbar eine fachliche Auseinandersetzung mit der Thematik nicht scheut, doch für ihn spricht. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die in der Juristerei geltende Aussage "2 Juristen, 3 Meinungen" hin und wieder auch auf die Medizin übertragbar ist. Von daher glaube ich auch nicht, dass man in der Medizin immer mit Absolutheit von "richtig" und "falsch" sprechen kann.
Im Übrigen machte der Arzt auf mich einen sehr kompetenten Eindruck. Wechseln werde ich ihn sicherlich nicht. Nun, selbst, wenn es seine erste Impfung (oder die erste mit Pentavac) gewesen sein sollte - bei irgendjemandem muss der Mann ja nun mal anfangen und seine praktischen Erfahrungen sammeln. (Wenn ich jetzt allerdings von Diphterie dahingerafft werden sollte, werde ich - oder meine Hinterbliebenen - diese Aussage vielleicht ja noch mal überdenken...)
Nichts für ungut - im Grunde bin ich ja dankbar, dass Sie es gut mit mir meinen und mir helfen möchten. Aber ich möchte gegenüber dem behandelnden Arzt auch fair bleiben. Vielleicht hätte ich den Sachverhalt besser auch schon direkt beim ersten Mal so geschildert. Aber, wie bereits gesagt, mir ging es in erster Linie ja um eine medizinische Auskunft und nicht um das Schreiben meiner Memoiren...
Trotzdem bedanke ich mich nochmals für Ihre Antwort und die damit verbundene Mühe.
Mit freundlichem Gruß,
Stefan