SPIEGEL :
Hysterie im Sandkasten MASERN
Weltweit sterben jedes Jahr eine Million Menschen an Masern. Während die Weltgesundheitsorganisation das Virus ausrotten will, machen in Deutschland Impfgegner mobil
Quelle: Zeitschrift "Der Spiegel" 34 / 2000 Seite 175-177
Wie herrlich waren die Masern! „Großmutter machte Wadenwickel, in die wunderbaren Betten wurde eine Kuchen decke hineingesteckt, damit ich nicht herausfiel", schwärmt Gerhard Buchwald, Jahrgang 1920, in seinem Buch: „Impfen — das Geschäft mit der Angst". „Ich bekam schöne Säfte zu trinken, lauter gute Sachen zu essen und wurde von Oma liebevoll umsorgt. Nach wenigen Tagen war die Sache vorüber." Andere hatten weniger Glück: Während der kleine Gerhard die Schulbank drückte, verreckten Hunderte seiner Jahrgangsgenossen trotz Saft und Liebe jämmerlich in ihren Betten -an Masern. Allein im Jahr 1938 raffte die Infektion, die mit Fieber, Lichtempfindlichkeit und himbeerrotem Ausschlag einhergeht, in Deutschland 1569 Kinder und Jugendliche dahin. Die meisten von ihnen starben an typischen Lungen oder Hirnentzündungen, die das Maserns-Virus regelmäßig im Gefolge führt.
Heute sind in Entwicklungsländern die Masern, verbunden mit Vitamin-A-Mangel, der häufigste Grund für Erblindung. Nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO enden jedes Jahr weltweit eine Million Maserninfektionen tödlich. Nach den Pocken, denen die Impfung den Garaus machte, und der Kinderlähmung, die kurz vor der Ausrottung steht, hat sich die WHO deshalb die weltweite Eliminierung der vermeintlich harmlosen Kinderkrankheit vorgenommen.
Das Klassenziel „Masernfreies Europa", ursprünglich für das Jahr 2007 angepeilt, werden die Europäer wohl verfehlen. Schuld daran sind auch die Deutschen. Während etwa Schweden und Finnland dank konsequenter Impfprogramme fast ganz vom Virus befreit sind, erkranken in Deutschland noch immer jährlich rund100 000 Menschen an Masern — 30 bis 80 davon mit schwersten,10 mit tödlichen Komplikationen. Auch die US-Gesundheitsbehörden schimpfen über die deutschen Impfmuffel: Ein Großteil der 86 Masernfälle in den USA ging im vergangenen Jahr auf das Konto deutscher Virusüberträger.
„Wir sind Masernnotstandsland", klagt der Hamburger Kinderarzt Ullrich Kunde, der als Wissenschaftlicher Beirat in der Arbeitsgemeinschaft Masern von Robert-Koch-Institut und Deutschem Grünen Kreuz mitwirkt. „Die WHO ist längst stinksauer, dass ein Land wie Deutschland diese wichtige Impfung so schleifen lässt." Manche Kollegen seien daran nicht ganz unschuldig: „Wenn eine Mutter sagt: Masernimpfung machen wir nicht, dann kuschen die gleich, statt zu argumentieren." Die einen haben keine Lust, für kaum 10 Mark Kassenhonorar mühselige Überzeugungsarbeit zu leisten. Die anderen fürchten, im Falle einer Impfnebenwirkung von den Eltern vor Gericht gebracht zu werden. Im Internet, in den Medizinredaktionen der Frauenzeitschriften, selbst unter den Ärzten sind die Impfskeptiker auf dein Vormarsch. Kaum ein Thema wird in Wartezimmern, Mütter-Turnrunden und an Sandkästen intensiver diskutiert. „Eine anthroposophische Mutter reicht", klagt Karl Ernst von Mühlendahl, Leiter des Kinderhospitals Osnabrück, „um eine ganze Krabbelgruppe verrückt zu machen." Wenn Buchwald, Galionsfigur der Impfgegnerszene, wie kürzlich in der Sulzbacher Festhalle über den Fluch der Impfungen predigt, müssen die Veranstalter die Bestuhlung aufstocken. Mütter und Heilpraktiker, Tierversuchsgegner und extremistische Vegetarier (einige Impfstoffe sind auf tierischem Eiweiß aufgebaut) lauschen den Worten des alten Mannes.
Mit veralteten oder willkürlich herausgegriffenen Zahlen rechnet Buchwald „Unsummen von Impfschäden und Millionen krampfgeschüttelte Kinder" vor, die angeblich auf das Konto einer Verschwörung von Pharmaindustrie, Gesundheitsbehörden und Ärzten gehen. „Noch nie", rühmt sich dagegen der einstige Badearzt in seinen Vorträgen, „hat eine kinderärztliche Fachzeitschrift eine Arbeit von mir angenommen." Zwar wird der harte Kern der Impffeinde auf nur drei Prozent der Bevölkerung geschätzt. Doch allein von Buchwalds Kampfschrift, erschienen im seriösen Knaur-Verlag (Klappentext: „Impfen macht viele Menschen krank!") versprachen sich rund 55000 Käufer Aufklärung. 6oo Impfkritiker trafen sich im vergangenen Jahr zu einem Kongress im schwäbischen Filderstadt. Bei solchen Gelegenheiten werden ungeprüft die abstrusesten Behauptungen („Impfen macht Aids, Krebs, Neurodermitis, Autismus und Legasthenie") begierig aufgesogen und weiterverbreitet. Viele solcher Entwicklungsstörungen und chronischer Krankheiten machen sich jedoch erst im Laufe der ersten beiden Lebensjahre bemerkbar — die Zeit, in die auch die meisten Schutzimpfungen fallen. „Dann heißt es: Die Impfung ist schuld", klagt Klinikchef von Mühlendahl. „Aber wer hier einen Zusammenhang von Ursache und Wirkung konstruiert, könnte genauso gut behaupten, Impfen rufe das Durchbrechen der Zähne hervor." Studien, die aufzeigen, dass ungeimpfte Kinder genauso oft unter Autismus oder Neurodermitis leiden, werden schlichtweg nicht zur Kenntnis genommen. Auch naturheilkundlich orientierte Hebammen redeten den Eltern ein, Mutter Natur sorge besser für die Immunabwehr. „Dass die Natur mit Infektionskrankheiten schon immer die Schwachen aussortiert hat", sagt von Mühlendahl, „will den jungen Eltern nicht in den Kopf." Das Ergebnis eines Masernausbruchs in einer ungeimpften Bevölkerung lässt sich derzeit am holländischen „Bibel-Gürtel" um Utrecht ablesen. In einer Calvinisten-Gemeinde, die sämtliche Impfungen ablehnt, erkrankten im letzten Jahr 2961 Menschen an Masern, in 510 Fällen gab es Komplikationen. 68 Patienten mussten stationär behandelt werden,5 erkrankten an Masernenzephalitis, 3 Kinder starben. Als „Gipfel des Schwachsinns" bezeichnet Mediziner Kunde deshalb die neuerdings in Mode gekommene Propaganda für so genannte „Masernpartys", auf denen sich nicht geimpfte Kinder von masernkranken Spielgefährten mit dem roten Ausschlag anstecken sollen. Gefährlich kann das auch für Erwachsene ohne Immunschutz werden, die oft besonders schwer erkranken. Jeder zweitausendste Patient riskiert die Entwicklung einer Masernenzephalitis, während das Erkrankungsrisiko bei einer Impfung mit 1:1000000 beziffert wird. Diese gefürchtete Komplikation endet in einem Fünftel der Fälle tödlich. Bei etwa der Hälfte aller Überlebenden bleiben geistige Schäden zurück. „Wer mal gesehen hat, wie so in Kind, das vorher ganz aufgeweckt war, schrittweise verblödet und verfällt, der vergisst es sein Leben lang nicht", sagt Kunde.
Während in den sechziger Jahren das Prinzip der Impfung — stark abgeschwächte Erreger „imitieren" eine schwache Infektion und regen den Körper damit zur Bildung einer dauerhaften Immunabwehr an allgemein als Segen betrachtet wurde, haben heute viele die Furcht vor den selten gewordenen Infektionskrankheiten verloren.
Gleichzeitig registrieren Epidemiologen einen Anstieg irrationaler Ängste vor möglichen Impfnebenwirkungen. „Im Internet wimmelt es von falschen Informationen", sagt Robert Chen vom US-amerikanischen Center for Disease Control in Atlanta. „Unsere Risiko-Kommunikation funktioniert deshalb nur, wenn jede noch so kleine Gefahr klar benannt und so genau beziffert wird, wie es uns der Stand der Wissenschaft erlaubt."
Im Merkblatt zur Masernimpfung für amerikanische Eltern heißt es klipp und klar: „Eine Impfung kann schwerwiegende Probleme verursachen. Aber eine Masernimpfung zu bekommen ist sehr viel sicherer, als Masern zu bekommen."
Es folgt eine ausführliche Nutzen-Risiko-Analyse, die mögliche Folgen wie Fieberkrämpfe (1:3000) oder heftige allergische Reaktionen (seltener als 1: 000 000) nicht verschweigt. Die Telefonnummer des Nationalen Impfschaden-Entschädigungsprogramms ist auf dem Zettel angegeben, ebenso diejenige des Meldesystems für unerwartete Impfnebenwirkungen VAERS. Solche Transparenz fordern deutsche Experten und Kinderärzte, die sich mit den Argumenten der Impfgegner auseinandersetzen müssen. Doch mit Informationspolitik nach Gutsherrenart verprellt beispielsweise das Paul-Ehrlich-Institut, als Bundesbehörde für Arzneimittelsicherheit zur Auskunft verpflichtet, skeptische Frager. Eltern, die Genaueres über Art und -Häufigkeit von Impfnebenwirkungen wissen wollen, werden mit pauschalen Beschwichtigungen abgewimmelt nähere Auskunft gebe der Beipackzettel. Konkrete Zahlen? „Die geben wir nicht an jeden heraus", sagt Öffentlichkeitsarbeiterin Susanne Stöcker. „Sie glauben ja nicht, was da alles hineininterpretiert wird." für Anders als früher in der DDR ist in der Bundesrepublik mangels Meldepflicht und Impfregister die Zahl der unerwünschten Impfreaktionen ebenso unbekannt wie die ich der Masernerkrankungen. Die 23 Fälle, in denen das Paul-Ehrlich-Institut in den vergangenen fünf Jahren einen wahrscheinlichen Zusammenhang zwischen einer vorübergehenden Beeinträchtigung wie Fieberkrampf oder Ausschlag und der Masernimpfung konstatiert hat, geben die Wirklichkeit deshalb wohl auch nur annäherungsweise wieder. „Der ganze Bereich ist in Deutschland eine Nebelwand", gesteht ein Mitarbeiter des Robert-Koch-Instituts. Die WHO, die eine Masernimmunisierungsquote von mindestens 95 Prozent fordert, sieht das ähnlich. Sie hat Deutschland kürzlich gerügt als eines jener europäischen Länder, die versäumen, ihre Raten zu melden. Das würde den Deutschen mangels harter Daten auch schwer fallen: Die Angaben schwanken zwischen 65 und 80 Prozent, die empfohlene Zweitimpfung kommen vielleicht noch 10 Prozent.
Bisher können Impfkritiker unwiderlegt behaupten, jährlich würden Tausende von Anträgen auf Entschädigung nach einem Impfschaden abgelehnt. Zwar die Einzelfallstatistiken der Landesversorgungsanstalten auf einen Bruchteil dessen hin. In Nordrhein-Westfalen etwa, wo knapp 20 Prozent aller Deutschen leben, ging im vergangenen Jahr ganze 48 Anträge Viele davon beziehen sich auf 30 Jahre alte Impfungen. Die Anerkennungsquote schwanken zwischen 10 und 25 Prozent.
Ein nationales Impfschadensregister nach dem Vorbild der USA, das öffentlich Überblick über abgelehnte und anerkannte Anträge auf Versorgung geben und Ungleichbehandlungen von Bundesland zu Bundesland aufzeigen können, soll jedoch auch künftig nicht geführt werden. Epidemiologisch", findet Ursula Niemer, Referatsleiterin beim Bundesgesundheitsministerium, „hat eine solche Statistik keinen Wert." „Genau nach solchen Zahlen werden wir aber bei Impfberatungen ständig gefragt" sagt Sigrid Ley vom „Grünen Kreuz", der am Telefon an diesem heiklen Punkt die Argumente ausgehen. „Die Leute denken ‚Das muss ja schrecklich sein, wenn man diese Zahlen nicht erfahren darf" Abhilfe soll nun das neue Infektionsschutzgesetz schaffen, das am 1.Januar 2001 in Kraft treten wird. Es verpflichtet Ärzte nicht nur, künftig Masernfälle beim Gesundheitsamt zu melden, sondern auch mögliche Impfnebenwirkungen. Über 1000 Kinderarztpraxen sollen außerdem Buch führen über die beobachteten Virenstämme, Krankheitsverläufe, Impfraten und Impfkomplikationen. Dass dabei Schreckliches zutage tritt, ist nicht zu erwarten - darauf deuten die Erfahrungen aus den USA hin. Dort gehen beim Meldesystem VAERS pro Jahr verteilt auf sämtliche Impfungsarten rund 10000 Verdachtsmeldungen auf Impfschäden von Eltern, Ärzten oder Pharmaherstellen ein. - Die meisten betreffen Hautrötungen oder , Ähnliches, etwa 2000 beziehen sich auf vorübergehende Reaktionen wie Fieberkrämpfe oder Ernsteres.
Für Masernimpfungen verzeichnet das US-Impfschadensregister zwischen 1976 und 1993 exakt 403 Entschädigungsantrage wegen bleibender Schäden nach Krämpfen und Gehirnentzündung. 48 davon wurden als impfbedingt anerkannt. Im selben Zeitraum wurden mit rund 75 Millionen Masernimpfungen Zehntausende schwerer Gehirnschäden und einige tausend Todesfälle verhindert.
BEATE LAKOTTA
KEUCHHUSTENIMPFUNG auch für TEENAGER
Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut/Stand: Januar 2000
WICHTIG !!!!!!!
In Anbetracht der Keuchhusten-Situation in Deutschland und der Schwere des klinischen Verlaufs einer Keuchhustenerkrankung im Säuglingsalter ist es dringend geboten, die Grundimmunisierung der Säuglinge und Kleinkinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt, d.h. unmittelbar nach Vollendung des 2. Lebensmonates, zu beginnen und zeitgerecht fortzuführen. Empfohlen werden je eine Impfung mit einem Impfstoff, der Pertussis-Antigene enthält, ab Beginn des 3., 4. und 5. Lebensmonates und eine weitere Impfung ab Beginn des 12. Lebensmonats, möglichst jedoch bis zum 15. Lebensmonat. Das Nachholen oder die Vervollständigung der Pertussis-Immunisierung wird im Kindes- und Jugendalter mit einem azellulären Pertussis-Impfstoff empfohlen. Für bereits 4-mal gegen Pertussis geimpfte Kinder bzw. Jugendliche wird zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr eine weitere Dosis empfohlen.
BEGRIFFSERKLÄRUNG
Pertussis = Keuchhusten
Immunisierung: Abwehrbildung
Antigene: Stoffe (große Moleküle) die Abwehrreaktionen auslösen
azellulär: nicht aus Zellen bestehend
http://www.rki.de/GESUND/IMPFEN/STIKO/STIKO.HTM
Verhütung der Pertussis durch Inkubationsimpfung
(Kommission für Infektionskrankheiten und Impffragen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie)
Die Inkubationszeit von Pertussis beträgt 7-28 Tage, gelegentlich auch länger. Die aktive Immunisierung ist die effektivste Form der Keuchhustenvorbeugung. Ein tragfähiger Schutz erfordert 3 aktive Impfungen. Von einer Inkubationsimpfung bei einem bislang nicht geimpften Patienten ist somit kein nennenswerter Schutz zu erwarten , da bis zur Verabreichung der 2.Impfung dem üblichen Vorgehen entsprechend ein Abstand von mindestens 4 Wochen einzuhalten ist. Anders ist die Situation bei einer Exposition. Hier kann durch Fortführung bzw. Komplettierung der Impfserie der Impfschutz vervollständigt und somit der Ausbruch der Erkrankung verhindert oder der Verlauf abgeschwächt werden. Grundsätzlich gilt , dass der Erfolg einer Inkubationsimpfung um zu höher ist, je früher sie nach einer Exposition erfolgt. Besonders erfolgsprechend ist die Inkubationsimpfung, wenn sie zu einer sekundären Immunantwort mit raschem Antikörperanstieg führt. Dies ist der Fall , wenn die 3. Impfung zum Zeitpunkt der Exposition schon 6 Monate zurückliegt und die Inkubationsimpfung der ohnehin fälligen Routine-Auffrischung entspricht.
In den USA wird derzeit die Inkubationsimpfung nach Pertussiskontakt unabhängig von der Anzahl der vorausgegangenen Impfungen empfohlen.
Inkubationsimpfungen haben als postexpositionelle Prophylaxe einen hohen Stellenwert, wenn der Exponierte schon eine oder mehrere aktive Immunisierungen erhalten hat und entsprechend den Impfempfehlungen eine weitere Immunisierung ansteht. In diesen Fällen ist Inkubationsimpfung wirksam
.
-- aus "Kinderärztliche Praxis(1999), Nr.6, Kircheim-Verlag Mainz"
BEGRIFFSERKLÄRUNG :
Inkubationszeit: Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung
Inkubationsimpfung: Impfung möglichtst kurz nach der Ansteckung
Prophylaxe: Vorbeugung, Verhütung
Exposition: Kontakt mit einer Krankheit
Postexpositionell: nach dem Kontakt
Bemerkung Dr. F. Cerci, Kinder- und Jugendarzt aus Detmold:
Keuchhusten ist entgegen einer viel verbreiteten Meinung keine reine Kinderkrankheit. Bei einer guten Durchimpfung im Kindesalter erkranken häufig Jugendliche oder auch Erwachsene, die dann die anderen Familienmitglieder anstecken. Man kann vereinfacht sagen "diese Krankheit kommt in drei Wochen, bleibt drei Wochen, geht in 3 Wochen weg".
Chinesen sollen von Hunderttagehusten reden. Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome gering. Es ist auch für den Arzt nicht immer möglich, die Diagnose gleich zu Beginn zustellen, solange die typischen Hustenanfälle fehlen .Typisch ist ein zunehmender Husten. Es besteht eine Diskrepanz zwischen dem Befund des Arztes und der dramatischen Schilderung der Hustenanfälle. Ein tiefer Rachenabstrich kann bei der Diagnose helfen, Blutuntersuchungen können hilfreich sein.
Mein TIPP = Im Zweifel die Hustenanfälle auf "Kassette aufnehmen" Das ist einfach, wenn der Kassettenrecorder neben dem Bett des Kindes bereit steht, so dass die Eltern nur auf den Knopf drücken müssen.
Nach der dritten Woche sind die Hustenanfälle nicht zu übersehen. Solange ein Verdacht auf Keuchhusten besteht, bitte keine kleinen Säuglinge anhusten lassen. Bei Säuglingen kann Keuchhusten besonders dramatisch verlaufen und sie können, wenn auch selten, dran sterben, Krankenhausbehandlungen wegen Keuchhusten sind besonders im Säuglingsalter nicht selten.. Durch eine Behandlung mit Erythromycin können bei den Erkrankten Komplikationen verhindert werden, aber nicht unbedingt die Dauer verkürzt werden.
Keine Panik. Durch zu frühe Behandlung kann sogar die Diagnose verschleiert werden. Bei Familienmitgliedern hat hingegen die Frühbehandlung, möglichst innerhalb der ersten Tagen nach der Ansteckung, einen Sinn. Die sog. Inkubationsimpfung ist bei schon mindestens vorher 1x geimpften sinnvoll. Das ist jedoch meist wegen der ungenauen Zeitangaben nicht einfach. Und nicht vergessen! Die beste Vorbeugung gegen Keuchhusten ist und bleibt die Schutzimpfung.
Kurz zu Behauptungen einiger unverbesserlicher Impfgegner, die meinen, es sei besser, die Krankheit durchzumachen, da sich die Körperabwehr danach bessern würde. Lassen Sie sich bitte dadurch nicht in di Irre führen. Die Erkrankten leiden sehr, die Körperabwehr ist in dieser Zeit miserabel. Selbst Monate nach einer Keuchustenerkrankung können die Betroffenen selbst nach einfachen Luftwegsinfekten Hustenanfälle bekommen. Die Kinder können sich kaum wehren, das ist nicht fair. Die Komplikationen der Erkrankung stehen in keinem Verhältnis zu gelegentlichen Fieberzuständen oder Weinen nach der Impfung, der jetzt verwendete Impfstoff ist viel besser verträglich als früher. Für nähere Angaben wenden Sie sich bitte an Ihren Kinder- und Jugendarzt.
Pressemitteilung
(aus der OSTSEEZEITUNG- Rostock-Bad Doberan , 01.04.2000), A. Pröber
Keuchhusten kommt wieder häufiger vor
Bei unklarem, chronischen Husten, der länger als 14 Tage dauert, sollte heute auch wieder an Keuchhusten (Pertussis) gedacht werden, rät die Chefin des Landeshygiene- Instituts , Prof. Christel Hülße. Auch Erwachsene seien davon zunehmend betroffen. erst kürzlich machte der Fall eines Mannes von sich reden, der zweimal für 14 Tage in einer Lungenklinik lag, an die Diagnose Keuchhusten aber nicht gedacht wurde. Rund 14 000 DM kosteten die Untersuchungen, bevor feststand, dass der Mann an Pertussis erkrankt war. Inzwischen hatte auch seine Frau die gleichen Symptome.Zu DDR-Zeiten nahezu ausgerottet, erkrankten allein 1993 in Mecklenburg- Vorpommern 168 Personen. "Das waren viele der ungeimpften Kinder aus der Wendezeit", meint Prof. Hülße. Auch in diesem Jahr sind bereits in den ersten Monaten 37 Fälle Keuchhusten bekannt geworden. Betroffen waren besonders junge Leute zwischen 15 und 20 Jahren.
Keuchhusten ist eine bakterielle Erkrankung der Atemwege, die nicht unterschätzt werden sollte., sagt Prof. Hülße. Selbst mit den modernen medizinischen Möglichkeiten der antibiotischen Therapie ist Keuchhusten für Säuglinge immer noch sehr gefährlich und kann zu Lungenentzündungen (21 Prozent), zu Krampfanfällen (drei Prozent),
zu Hirnschaden (ein Prozent) und vereinzelt sogar zum Tod führen.
In Deutschland gibt es jährlich 100.000 Fälle von Pertussis. Das liegt vor allem daran, dass es zwischen 1974 und 1991 in den alten Bundesländern keine Empfehlung mehr gab, gegen Keuchhusten zu impfen. Der Impfstoff war in die Kritik geraten. Seit 1994 sind jedoch besser verträgliche Impfstoffe im Angebot und seit 1.1.2000 empfiehlt die Ständige Impfkommission in Deutschland nun, nach einer Basisimpfung (im 3., 4.,5. und 12.-15. Monat des Kindes) eine Wiederimpfung zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr.
"Der Impfschutz hält nur rund zehn Jahre vor, deshalb diese Wiederimpfung", erklärt Prof. Hülße, die Mitglied des obersten Impfgremiums ist.
( freundliche Übermittlung durch Kollegen Dr. Ernst-D. Ruickoldt,
Bad Doberan )