Was verstehen Sie unter Stimmbandfixierung?
Ist das Stimmband operativ fixiert, also in geöffneter Stellung am Kehlkopfgerüst festgenäht (oder festgeklebt) worden? Oder ist das Stimmband nach der OP und nachfolgender Bestrahlung einfach unbeweglich?
Und wie lange ist das jetzt her?
Welche Beschwerden haben Sie denn zur Zeit? Wie ist Ihre Stimme? Werden Sie unter Belastung kurzatmig (sog. "Belastungsdyspnoe")?
Spätfolgen einer Stimmbandlähmung habe ich noch nicht gesehen. Im günstigsten Fall bildet sich die Lähmung zurück (Spontanheilungen kommen innerhalb eines Jahres vor). Im ungünstigen Fall steht ein Stimmband still und zwar in nicht ganz, aber doch fast ganz geschlossenem Zustand (sog. "Paramedianstellung").
Das stillstehende Stimmband schließt beim Sprechen nicht, so dass der Stimmspalt zu groß ist, was eine verhauchte, heisere und kraftlose Stimme macht mit einer verkürzten Tonhaltedauer. Beim Atmen öffnet das gelähmte Stimmband nicht weit genug, sodass der Kehlkopfquerschnitt - besonders bei Belastung - für die Atemluft zu klein ist ("Belastungsdyspnoe"). - Nur bei einer doppelseitigen Stimmbandlähmung in Paramedianstellung würde eine operative Fixierung eines Stimmbandes in geöffnetem Zustand halbwegs Sinn machen - aber nur halbwegs! Man "erkauft" sich damit aber eine starke Heiserkeit, wenn nicht gar eine Tonlosigkeit. Man macht da lieber einen Luftröhrenschnitt und setzt eine "Sprechkanüle" ein.
Ich nehme mal an, Sie haben keine doppelseitige Stimmbandlähmung!
Der beim Sprechen zu große Stimmspalt kann vom gesunden Stimmband nach einer logopädischen Übungsbehandlung auf das normale Maß wieder verengt werden, indem das gesunde Stimmband die Mittellinie überschreitet. Also die fehlende Schlussfunktion kann vom gesunden Stimmband übernommen werden. Die fehlende Öffnungsfunktion jedoch niemals. Nach einer solchen Übungsbehandlung wird die Stimme normalerweise wieder gut. Die Belastungsdyspnoe aber bleibt!
Die Gefahr des Einatmens von Nahrungsstückchen ("Aspiration", im Volkmund auch "Verschlucken" genannt) ist bei einseitiger Stimmbandlähmung nicht erhöht: erstens ist der Stimmspalt ja auch ohne logopädische Behandlung eng (mit logopädischer Behandlung natürlich noch enger!) und zweitens ist der Kehldeckel ja auch noch da. Der Kehldeckel ("Epiglottis") ist ja nicht gelähmt.
Mit zunehmender Übung wird die Behinderung durch die Stimmbandlähmung normalerweise geringer. Anders ausgedrückt: man gewöhnt sich immer besser an seine Funktionsstörung.
Allerdings: Spätschäden einer Karzinomerkrankung oder Spätschäden einer Bestrahlungsbehandlung haben mit einer Stimmbandlähmung (sog. "Recurrensparese") nicht direkt etwas zu tun!
Sie sollten Ihre berechtigten Fragen aber auf jeden Fall Ihrem HNO-Arzt stellen. Der hat ja auch Vorbefunde vorliegen und kann Ihnen sicherlich genauer Auskunft erteilen.