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Freitag, 4. April 2003, 21:05

Pharma-"Therapie" in D im 21.Jahrhundert,dank total parteiischer und durchblicksloser "Politiker":

Die Positivliste – ein Gesetzentwurf des Bundesministeriums



Miraculix, der ehrwürdige Druide des kleinen Dorfes – Sie wissen schon wo – ist wieder auferstanden. Es ist ihm hoch anzurechnen, daß er unsere reformorientierte Bundesregierung hinsichtlich einer neuen Medikamentenverordnung fachlich kompetent beraten hat. In der zuständigen Expertenkommission arbeitete unter anderem auch Prof. Severus Snape, potions master at Hogwarts and head of Slytherin House mit. Miraculix hat nachdrücklich und mit Erfolg dafür plädiert, viscum album (seine geliebte Mistel) aurum (Gold), carbo animalis (Tierkohle) und bufo (Kröte) ebenso wie pix (Pech) und cinis (Asche) in die neue Positivliste aufzunehmen, die in Deutschland im 21.Jahrhunderte die verordnungsfähigen und damit GKV-erstattungsfähigen Medikamenten enthalten soll. Initial gab er sich sehr verwundert, daß man inzwischen vergessen habe, daß die Mistelzweige doch mit der goldenen Sichel geschnitten werden müßten, um ihre wundersame Heilkraft zu entfalten. Er meinte dann aber, daß die Germanen vielleicht mir ihrer neumodischen Art auch ganz gut lägen, bei jedem Verdünnungsvorgang die Flasche 10x gegen Erdmittelpunkt auf einen harten Gegenstand zu schlagen. Wie man von ihm hörte, hält er es durchaus für möglich, daß die Wirkung noch zusätzlich dadurch verstärkt würde, daß man immer mehr verdünnte. Den eigens dafür geprägten Ausdruck „potenzieren“ hielt er für gelungen. Die Hochpotenz (z. B. Verdünnungen kleiner als 1:10-30) verstand er nicht sofort wegen der Loschmidt´schen oder auch Avogadro´schen Zahl (publiziert 1856 bzw. 1860), die inzwischen doch selbst unter PISA-Schülern bekannt sein müßte. Er meinte dann aber, daß das Lösungsmittel auch ohne meßbaren Wirkstoff ja durchaus den Energieabdruck der Information des Ausgangsmoleküls haben könne. Das hätten zwar die schrecklich logischen Römer immer bestritten, unter Druiden sei dies aber bereits vor knapp 2.000 Jahren vermutet worden. Prof. S. Snape riet der Bundesministerin – soviel wurde durch Indiskretionen gegenüber einer führenden Boulevardzeitung bekannt - sehr viel mehr Tierorgane in die heutige Medizin aufzunehmen. Das gäbe erst die rechte Kraft. Er setzte sich schließlich mit 673 neuen derartigen „Medikamenten“ durch. Unter diesen sind besonders hervorzuheben: os suis (Schweineknochen), dens suis (Schweinezahn), testes suis (Schweinehoden), testes juveniles bovis (Hoden junger Stiere), lingua suis (Schweinezunge), ovaria suis (Schweineovar), fel tauri (Stiergalle), glandula lupuli (Drüsen kleiner Wölfe) und salamandra maculosa (sein heißgeliegter Feuersalamander mit besonderer Potenz) etc.. Trotz der Anmerkung der Frauenbeauftragten in der Kommission, daß Viagra® schließlich auch nicht verordnungsfähig sei (weil doch nur für Männer vorgesehen), bestand Prof. Snape aber erfolgreich auf der Aufnahme von penis bovis, penis suis und für starke Männer sogar auf penis tauri. Als die Expertinnen in der Kommission für ovarium bovis (Rindereierstock) und uterus suis (Schweinegebärmutter) votierten, durfte Prof. Snape zum Ausgleich der auf Konsens bedachten Expertenkommission allerlei besondere Hodenextrakte, Aflatoxin, Knollenblätterpilz und sogar embryo totalis suis und cor fetalis suis als verordnungsfähig aufnehmen lassen. Daraufhin meldete sich Miraculix zu Wort und wollte einen Extrakt aus Hinkelsteinen in die Liste einbringen. Um ihn zu besänftigen aber auch nun wieder nicht zu verärgern, einigte man sich stattdessen auf lapis albus (weißen Stein) und allerlei Gemmen (Opal, Rubin, Onyx) und zu seiner besonderen Freude dann auch Granit. Die unendliche Verdünnerei wäre bei großen Hinkelsteinen selbst den Vertretern der besonderen Therapierichtungen doch unvertretbar aufwendig geworden.

Der zuständige Referent im Gesundheitsministerium war hoch befriedigt und soll Frau U. Schmidt dem Vernehmen nach zwischen zwei wichtigen Fototerminen berichtet haben, daß sowohl der Druide als auch der potions master aus Hogwart sich mit ihrem persönlichen Berater in ihrer Abwesenheit über die ökonomischen Vorteile der jetzt wirklich qualitativ hochwertigen Medikamente rasch geeinigt hätten. Die geplanten Verdünnungen (D10 – D30) erlaubten für später noch weitere wesentliche Einsparungen (Rationalisierungsgewinne!). Das Ergebnis dieser Expertenkommission sei der Bundestagsfraktion gewiß leicht zu vermitteln. Außerdem könne das geplante Institut für Qualität in der Medizin dann auch nach dem großen Wissenschaftler Samuel Hahnemann (1755 – 1843) benannt werden. Diskutiert würde als Namenspatron aber auch der überragende Anthroposoph Rudolf Steiner (1861 – 1925), der allerlei okkultes Wissen in die mystische Medizin eingeführt und die biologisch-dynamische Landwirtschaft begründet hat. Das würde den kleineren Koalitionspartner besänftigen, der mal wieder übergangen wurde. Prof. Snape gab etwas betrübt zu, daß Harry Potter eher nicht in Frage käme, da er dann doch weniger Verdienste um die bundesrepublikanische Medizin hätte. Dabei wäre der Name „Harry Potter Institute for Witchcraft and Medicine“ (HPIWM) eigentlich viel internationaler und trüge sowohl die Aktualität als auch die Intention der Reformpolitik bereits als Titel.

Der Gesetzentwurf für die „Positivliste“ liegt jetzt tatsächlich vor. Die obigen Zeilen sind hinsichtlich der kursiv gedruckten Inhalte leider kein Traum. Wenn diese „Positivliste“ wirklich Gesetz wird, können in Deutschland „Medikamente“ zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden, die aus vormittelalterlicher Zeit stammen – und mehr als 1.000 davon! Daß Ärzte schon immer Pflanzenextrakte zu therapeutischen Zwecken gegeben haben, ist bekannt. Wir wissen heute mehr über die wirksamen Bestandteile derartiger Extrakte und behandeln dementsprechend lieber mit geprüften Reinsubstanzen. Trotzdem ist ja gar nichts dagegen einzuwenden, wenn Befindlichkeitsstörungen mit Melissengeist oder Scharfgarbe behandelt werden, die als weitgehend nebenwirkungsarme und sehr billige Medikamente angesehen werden können. Wenn jetzt aber unter der Flagge der „alternativen Medizin“ penis bovis und dens suis, Feuersalamander und Stierhodenextrakte gesetzlich sanktionierte, verordnungsfähige, von der Allgemeinheit bezahlte Medikamente sein sollen, dann ist dies für jeden kritisch denkenden Wissenschaftler inakzeptabel.

Daß Parlamentarier und fachfremde Referenten im Gesundheitsministerium den Unterschied zwischen Paramedizin und Medizin ebensowenig kennen wie den zwischen Astronomie und Astrologie oder Physik und Metaphysik erstaunt bei dem internationalen Vergleich deutscher Gesamtschulen und dem Niedergang des Allgemeinwissens in unserem Lande wenig. Trotzdem betrübt es alle, die mit Maß und Zahl, mit Logik und Beobachtung sowie unter möglichst weitgehendem Ausschluß von bias und wissenschaftlichem Fehlverhalten nach Erkenntnis suchen. All die vielen Wissenschaftler, die die Diagnostik und Therapie in der Medizin weiterentwickeln wollen, müssen diese „Positivliste“ als Schlag unter die Gürtellinie empfinden. Vielleicht wird die Gesundheitsreform demnächst dazu führen, daß der Schäfer Ast aus der Heide zusammen mit Barfußärzten unsere Patienten mit Schröpfköpfen, Blutegeln und Akupunktur traktieren. Dann werden die Behandlungskosten endlich sinken! Man bräuchte dann auch nicht so viel Geld in die Weiterentwicklung von Medikamenten und insbesondere nicht in die ungeliebte – weil unverstandene molekularbiologische und gentherapeutische Forschung zu stecken. Rindergalle gibt es schließlich schon seit mehr als 1.000 Jahren zur Behandlung von Bauchschmerzen. Bei Rechtsherzinsuffizienz kann man doch cor dextrum bovis und bei Linksherzinsuffizienz cor sinistrum bovis sogar sehr differenziert verordnen.

Nach dem deutschen Heilpraktikergesetz vom 17.02.1939 dürfen alle nicht vorbestraften Personen die Heilkinde ausüben, wenn sie keine Impfungen, Zahnbehandlungen, Geburtshilfe (!) oder Behandlungen von meldepflichtigen bzw. Geschlechtskrankheiten durchführen und sich beim zuständigen Gesundheitsamt registrieren lassen. Eine Ausbildungszeit ist nicht vorgeschrieben. Ein Überbleibsel der „deutschen Medizin“! Noch werden die Behandlungskosten durch Heilpraktiker nicht von den Krankenkassen übernommen. Das kann sich in Zukunft ändern. Die „Positivliste“ läßt einiges erwarten.

Ich würde mich nicht wundern, wenn Sie verehrte Leserinnen und Leser des Laborjournals, diesen oben beschriebenen Unfug gar nicht glauben wollen. Wenn Sie mir eine Mail schicken, erhalten Sie per return-mail den vorliegenden Referentenentwurf der Positivliste. Sie sollten darin aber nur lesen nach Genuß von cerevia allerdings ohne die empfohlene Potenzierung durch Verdünnung.



Prof. Dr.med. Erland Erdmann

Er ist Chef einer der internistischen Abteilungen der Uni Köln.

Eine Ausnahmeerscheinung !

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Freitag, 11. April 2003, 16:19

Klasse. Jetzt wird der ganze Schlachtabfall, der in Metzgereien schon immer unverkäuflich war, in Apotheken verkauft! Wohl bekomm's!

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Freitag, 11. April 2003, 16:29

Es ist ein politischer Skandal,den wir vor allem grünen Ideologen zu verdanken haben.

Es war nichts anderes zu erwarten,weil in dem entscheidende Gremium (D-Kommission?) 3 Idioten aus dieser Richtung einer Sperrminorität gegeben wurde.

Eine krasse Ungleichbehandlung gegenüber den Produzenten seriöser Mittel.

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Samstag, 12. April 2003, 18:54

F O R U M " V E R M I S C H T E S "


'Titanic'-Redaktion steckt hinter Penis bovis und Anus suis in Ullas Positivliste!
Beitrag eingesandt von Quincy am 11.04.2003 19:45:28G

Hoffe ich wenigstens, denn das kann ja nicht ihr Ernst sein!

Aus der Presseerklaerung des BM Gesundheit:
http://www.bmgs.bund.de/deu/gra/aktuelle…/bmgs2_3062.cfm

"Die Positivliste enthält alle Arzneimittel, die bei, Prävention, Diagnostik und Behandlung von behandlungsbedürftigen Gesundheitsstörungen und Krankheiten wirksam und zweckmäßig einsetzbar sind. Neben den sogenannten schulmedizinischen Arzneimitteln (Arzneimittel aus chemisch definierten Wirkstoffen) werden im Anhang phytotherapeutische, homöopathische und anthroposophische Arzneimittel aufgelistet. Ob Schulmedizin oder Alternativmedizin, das entscheiden Ärztinnen und Ärzte mit ihren Patientinnen und Patienten, die Politik schreibt keine Richtung vor.

Mit dem jetzt auf den Weg gebrachten Gesetz werden wir auch in Deutschland ein Instrument nutzen können, das sich in anderen Ländern längst bewährt hat. Ärzte und Ärztinnen erhalten eine verlässliche Grundlage zur rationalen und qualitätsgesicherten Arzneimitteltherapie. So verbinden wir Qualität und Wirtschaftlichkeit und schaffen die Voraussetzung, dass eine Arzneimitteltherapie nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis auch weiterhin finanzierbar bleibt."

Rational, qualitaetsgesichert, zweckmaessig, aktueller Stand der wissenschaftlichen erkenntnis - die Frau schaemt sich wirklich fuer gar nichts und die Lobby hinter diesem Unsinn muss schon Blasen an den Haenden haben von den vielen 'high fives' und Muskelkater vom Grinsen, dem Ministerium diesen voelligen Schwachsinn untergeschoben zu haben.
Die Jungs und Maedels, die diesen unglaublichen Scheiss durchgedrueckt haben, sind so gut, dass wir sie fuer unser berechtigtes Anliegen 'Bereitschaftsdienst=Arbeitszeit' engagieren sollten.

Irgendwie warte ich noch auf die Meldung, dass es sich um eine Aktion der 'Titanic'-Redaktion gehandelt hat ...




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© Deutscher Ärzte-Verlag;

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Samstag, 12. April 2003, 21:54

An info@bmgs.bund.de - mit der Bitte um Weitergabe an die Ministerin Schmidt und der Bitte um Angabe der ministerlichen e-mail-Adresse.Die von der Telekom-Auskunft vermittelten 2 Telefonnummern des Ministeriums sind unerreichbar (typisch).


Sehr geehrte Frau Ministerin;

Es ist ein Skandal,daß Sie in den Anhängen zur Positivliste völlig unwirksame Scharlatan-Substanzen auf Kosten der Versichertengemeinschaft zulassen wollen.

Dies hat mit Seriosität nicht das Geringste zu tun und ist ein Schlag ins Gesicht aller Mediziner,die diese Bezeichnung verdient haben.

Es ist mir völlig rätselhaft,warum die Politik in der E-Kommission Scharlatanen eine Sperrminorität zugestehen konnte.

Wir werden gegen diesen Unfug klagen und Sie persönlich auch finanziell dafür zur Verantwortung ziehen lassen.

Falls Sie zu einer Stellungnahme dazu in der Lage sein sollten,ist sie hochwillkommen.

Zudem empfehle ich Ihnen dringend die Lektüre der Texte in:

http://kidmed.info/forum/index.php?page=Thread&threadID=1649 1050079402

(Sparen im Gesundheitsunwesen - ganz einfach)

Das ganze Forum Gesundheitswesen ist für Sie lesenswert und auch das Forum Alternative Methoden.Vielleicht hilfts.

Sie haben z.B. völlig versagt in der Abwehr von Pharma-Industrie-Tricks bei des Pseudo-Neumedikamenten und haben damit eindeutig persönlich zu den Krankenkassen-Defiziten beigetragen.-Sie haben völlig insuffiziente Berater: Rürup und Lauterbach sind nicht zu einer Gesamtschau in der Lage,sondern verwirren Sie(in Ihrer ganzen Unprofessionalität in Sachen Gesundheitswesen) nur mit (auch zum geringen Teil guten) Einzeleinwürfen.

Das gibt nur den bisher bekannten Murks.

Wie wärs mal mit einem Profi im Gesundheits-Ministerium?

Mfg

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Samstag, 12. April 2003, 22:20

Es ist ein großer mafiöser Abzocker-Geschäftszweig(überwiegend von Heiltaktikern und Homöopathen betrieben),der allein das GKV-System 1 oder gar 2 Milliarden an illegaler Erstattung zu Lasten der Versichertengemeinschaft kostet(die Kassenbonzen sind dafür eigentlich PERSÖNLICH haftbar,werden aber nicht verfolgt;wohingegen seriöse Ärzte bei wichtigen Verordnungen zur Kasse gebeten werden).Die Politik deckt das.

Außerdem geben die ewig jammernden Deutschen für nicht Erstattungsfähiges gerade nochmal soviel Geld aus wie für ihre Krankenversicherung.

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Sonntag, 13. April 2003, 01:23

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Dienstag, 15. April 2003, 18:32

Grüne Ignoranz.
Diesen Leuten haben wir die Förderung des Scharlatan-Schrotts zu Lasten der Versichertengemeinschaft zu verdanken,weil sie selbst in dieser Welt der Irrationalität verhaftet sind oder möglicherweise den Scharlatanerie-Lobbyisten gegenüber korrupt sind.Da gibt es reichlich alternaive Geschäftsverflechtungen:

Grüne: 'Positivliste trennt die Spreu vom Weizen'

Die Therapievielfalt wird nach Meinung der Grünen-Bundestagsfraktion dadurch erhalten, dass auch Arzneimittel besonderer Therapierichtungen in der Positivliste berücksichtigt werden. „Die homöopathischen, anthroposophischen und pflanzlichen Arzneimittel haben für Patienten und auch für immer mehr Ärzte ihren Nutzen längst bewiesen.“

Den ganzen Text? Benutzen Sie diesen Link: http://www.facharzt.de/a/a/17968/

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Sonntag, 27. April 2003, 17:42

Dazu auch ein guter Text aus der ZEIT:

http://www.zeit.de/2003/18/Glosse_18_2f1

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Samstag, 10. Mai 2003, 23:09

Dazu auch von www.gwup.org/


GWUP fordert Ende der Förderung von Pseudowissenschaften



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07.05.2002 - Anlässlich ihrer 12. Jahrestagung vom 9. - 11. Mai in der Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow fordert die GWUP ein Ende der Förderung von Pseudowissenschaften durch die Politik, vor allem in der Medizin. Sie ruft die Politik dazu auf, in der nächsten Legislaturperiode ihr Augenmerk auf den Schutz von Verbrauchern und Patienten zu legen und medizinische Therapieverfahren ohne Ausnahme den gleichen wissenschaftlichen Qualitätsstandards zu unterwerfen.

In den letzten Jahrzehnten sind international hohe wissenschaftliche Standards für die Medizin festgelegt worden. Sie sollen die Qualität von Diagnostik und Therapie sicherstellen und auch zur Arzneimittelsicherheit beitragen. Die GWUP betrachtet mit Sorge, dass weltweit Behörden und Politik sich dem Druck von Interessengruppen beugen, die bestehenden Standards in ihrer Wirkung abzuschwächen, abzuschaffen oder bestimmte medizinische Verfahren von dieser Form der Qualitätssicherung auszunehmen. Dies gilt auch und in besonderen Maße für Deutschland. Hierzu der GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma: "Wir fordern den Gesetzgeber auf, in der nächsten Legislaturperiode die gleichen wissenschaftlichen Standards für alle medizinischen Verfahren durchzusetzen. Für die GWUP ist es völlig unverständlich, dass sich Verfahren wie Homöopathie und anthroposophische Medizin einer kritischen, wissenschaftlichen Prüfung nur deshalb entziehen können, weil sie zu den bevorzugten 'besonderen Therapierichtungen' gehören."

"Die Ansprüche der 'besonderen Therapierichtungen' sind verständlich", sagt Sarma, "denn diese Therapien widersprechen unseren heutigen medizinischen Kenntnissen. Versuche, von Interessenverbänden und Politik, deren Wirksamkeit nachzuweisen, sind in wissenschaftlichen Tests gescheitert." Die GWUP weist darauf hin, dass Tests immer wieder gezeigt haben, dass homöopathische und anthroposophische Medikamente nicht besser wirken als Placebos. Trotz solcher Ergebnisse wird das Wunschdenken der Betroffenen nicht gemindert.

Bei der Tagung werden neben medizinischen Themen wie anthroposophische Medizin und Magnettherapie auch Nahrungsergänzungsmittel behandelt. Hier werden laut dem Referenten Dr. Gregor Huesmann kurzlebige Produkte "mit massivem PR-Aufwand in den Markt geboxt, um möglichst schnell Kasse zu machen". Huesmann weiter: "Bis die Aufsichtsbehörden, die Wettbewerbsvereine und die Gerichte handeln können, ist der Gewinn bereits eingefahren. So wird sprichwörtlich jede Woche eine neue Sau durchs gutgläubige Verbraucherdorf getrieben."

Themen der Tagung sind:





Okkulte "Geisteswissenschaft" in einer modernen Gesellschaft? Beispiel: Anthroposophische Medizin

Wundermittel und Nahrungsergänzungsmittel: Wettbewerbsrecht kontra Verbraucherschutz

Klonen: Kann man Menschen kopieren?

Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?

Sinn und Unsinn in der Elektro- und Magnetotherapie

Elektrosmog: Der aktuelle Stand der Diskussion und der Umgang mit dem Thema in Deutschland

Sind Zeitreisen möglich?

Wider jede Logik: Über den Umgang der "Prä-Astronautik" mit Fakten und Kritikern

Brauchen wir eine neue Physik?



Die GWUP ist ein Zusammenschluss von rund 630 Wissenschaftlern aller Disziplinen und beschäftigt sich mit Phänomenen, die von der Esoterik- Szene zumeist voreilig als "übersinnlich" oder unerklärlich eingestuft werden. Infos über die GWUP finden Sie unter http://www.gwup.org, über die Konferenz unter: http://www.gwup.org/ueberuns/konferenzen/2002/

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Sonntag, 11. Mai 2003, 00:41

Im Übrigen,muß man sich mal klar machen,daß die Krankenkassen mit staatlicher Duldung völlig illegalerweise für wohl 2 Milliarden €
für Scharlatanerieschrott zu Lasten der Versicherten-Gemeinschaft erstatten.Eigentlich wären die Kassenbosse dafür persönlich finanziell haftbar(laut Gesetz).
Aber abkassiert wird nur bei Ärzten,die ihren Patienten verantwortungsvoll auch teurere Medikamente verordnen müssen.

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Sonntag, 11. Mai 2003, 12:56

Und an die Politik gerichtet (die Grünen fordern die Erstattungsfähigkeit für Medikamente der "besonderen Therapieverfahren"!): Jeder Politiker, der die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten dazu nötigt und verpflichtet, Geld auszugeben für nachgewiesenermaßen unwirksame Substanzen ("Medikamente" will das gar nicht nennen!), macht sich des Diebstahls und des Raubes an der Solidargemeinschaft schuldig!

Da hilft auch nichts, dass die Politiker diesen Diebstahl per Gesetz legalisieren können - legitimieren können sie ihn nie!

Solche Gesetze nenne ich immer "Beklauungs-Erlaubungs-Gesetze"!

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Samstag, 24. Mai 2003, 19:10

Von einem Medizinstudenten,der viel weiter ist als viele "Ärzte":

Nun gut, mag sich jemand denken, Homöopathie mag ja wirklich nur Humbug sein, aber wem schadet's? Das Horoskop steht ja auch jeden Tag in der Zeitung. Ein entscheidender Unterschied (nicht der einzige): Horoskope werden nicht von der Versicherung bezahlt und damit über die Solidargemeinschaft von uns allen. Das Stichwort heißt "Arzneimittel-Positivliste". Diese Liste soll in Zukunft vorgeben, welche Arzneimittel verordnungsfähig sind und von den Krankenkassen erstattet werden - müssen! Das halten auch viele Mediziner prinzipiell für sinnvoll und "positiv". In der Begründung, die dem Referentenentwurf für dieses Bundesgesetz (!) beigefügt ist, heißt es unter anderem: "Die Arzneimittel-Positivliste dient insbesondere einer bundeseinheitlichen Qualitätssicherung [...] Sie zielt darauf ab, [...] eine rationale und qualitativ dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis entsprechende Therapieentscheidung zu fördern. [...] Die Arzneimittel-Positivliste konzentriert das Angebot verordnungsfähiger Arzneimittel [...] auf diejenigen Arzneimittel, die [...] für eine zweckmäßige, notwendige und ausreichende Behandlung, Prävention oder Diagnostik von Krankheiten oder erheblichen Gesundheitsstörungen geeignet sind. [...] In den Hauptteil der Arzneimittel-Positivliste wurden diejenigen Arzneimittel aufgenommen, die [...] den Kriterien einer evidenzbasierten Medizin entsprechen."

Und weiter: "Nicht aufgenommen oder nur mit eingeschränkter Verordnungsfähigkeit wurden diejenigen Arzneimittel, bei denen die Beurteilung ergeben hat, dass sie:

gemessen am Ausmaß des erzielbaren therapeutischen Effekts keinen mehr als geringfügigen therapeutischen Nutzen bei Krankheiten oder erheblichen Gesundheitsstörungen aufweisen [...],

bei indikationsbezogener Bewertung nach einheitlichen Urteilsstandards angesichts zweckmäßiger therapeutischer Alternativen einen vergleichsweise geringfügigen Nutzen aufweisen [...],

bezüglich ihres therapeutischen Nutzens - bewertet anhand der Qualität und Aussagekraft entsprechender Belege - nicht über ausreichende Nachweise verfügen [...],

für geringfügige Gesundheitsstörungen bestimmt [...] oder allenfalls für geringfügige Gesundheitsstörungen geeignet sind [...]"

Das klingt bis hierher sehr gut, sachlich, rational. Dann jedoch kommt der Satz, der alle diese Grundsätze wieder aufhebt: "Aufgrund der Besonderheiten der Therapierichtungen konnten die vorgenannten Voraussetzungen bei der Beurteilung der Homöopathika für eine Aufnahme in den Anhang 2 und der Anthroposophika in den Anhang 3 keine Anwendung finden. In diesen Fällen wurde die [...] erforderliche Eignung nach homöopathischer oder anthroposophischer Bewertung festgestellt."

Mit anderen Worten: Da für diese Mittel bis heute kein Nachweis einer Wirksamkeit erbracht werden konnte und dies auch nicht vorgeschrieben war, reicht es für die Aufnahme in die Liste aus, wenn Vertreter dieser "besonderen Therapierichtung" ein Mittel für geeignet halten. Eine Begründung ist nicht nötig (Es gilt der sogenannte "Binnenkonsens" – nur die Vertreter der "Therapierichtung" können entscheiden, welches Mittel geeignet ist und welches nicht). Und wer sich den Anhang 2 des Gesetzes anschaut, der über 1800 homöopathische Mittel enthält, wird aus dem Staunen nicht herauskommen: Das reicht von "Abdominallymphom-Nosode" über "Embryo totalis suis" und "Rectum suis" bis "Virus-Darmkatarrh-Nosode". Mit anderen Worten: Nahezu alle Körperteile von Schwein und Rind sowie Extrakte aus fast jedem erkrankten menschlichen Organ ("Nosoden") sind enthalten. Wie Prof. Erdmann pointiert schreibt: "Bei Rechtsherzinsuffizienz kann man doch cor dextrum bovis und bei Linksherzinsuffizienz cor sinistrum bovis sogar sehr differenziert verordnen." [7] Ist das die "Medizin der Zukunft"? Wollen wir, dass die Krankenkassen das bezahlen? Von unserem Geld?

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Samstag, 24. Mai 2003, 19:46

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Montag, 2. Juni 2003, 03:55

Zum Thema-Positiv-Liste mit Ihren Verarschungsanhängen für besondere Therapierichtungen auch:

Was rauskommt...... 1054518402

Seit wann ist volksverblödender Scharlatan-Abzocker Schrott eine als positiv eingestufte "besondere Therapierichtung".

Diese völlig ignoranten "Entscheider" sind nicht ganz dicht oder korrupt oder beides.

Das ist was für die Gerichte;auch für die höchsten Gerichte.

Der ganze Mist gehört abgeschafft und wird es dann wohl dank der seriösen europäischen Behörde EMEA dann 2004/2005 wohl auch.

Ich bin da dank Super-Fachleuten excellent informiert : Dann fliegt der Schrott in die Seuche,wo er hingehört.

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Mittwoch, 4. Juni 2003, 15:27

Dazu auch: Juristisches gegen die Scharlatane 1055684632

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Dienstag, 24. Juni 2003, 13:19

Eine sehr gute Report-Sendung zum Thema

http://www.br-online.de/daserste/report/archiv/2003/00026/

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Mittwoch, 9. Juli 2003, 19:46

Die "Anthroposophie"-Scharlatane zur Positivliste und ihren unsäglichen Schrott-Anhängen:

http://www.damid.de/positivliste.htm

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Mittwoch, 9. Juli 2003, 21:16

Weiteres verlogenes Abzocker-Gewäsch:

http://www.hufelandgesellschaft.de/Aktuell.htm

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Freitag, 11. Juli 2003, 06:17

Ich hätte gerne den Referentenentwurf der Positivliste. Danke, Nell

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