Hallo Werner und auch Wovapa!
Danke für die interessanten Beiträge. Mein Post 004 ist meine Sicht als Patientin oder Mutter eines Patienten. Meiner Meinung nach machen Ärzte, die Homöopathie anwenden, eben diese sozusagen salonfähig. Heilpraktiker oder Homöopathen werden von den meisten Leuten schon argwöhnischer beäugt als gestandene Ärzte. Bekannte von mir, die Homöopathie-Fans sind, beteuern immer wieder: "Das hat uns der Arzt verschrieben, unser Hausarzt, der hat wirklich Ahnung davon und kann auch zur Not ein Antibiotikum verschreiben".
Natürlich bleibt der Betrug gleich, obs jetzt ein Heilpraktiker macht oder ein Arzt, Und das es nur ums liebe Geld geht, ist mir auch klar.
Die Sache mit dem Verstand und der Bildung ist wirklich wahr. Die Menschen können mit den Informationen, die sie von überall her bekommen, nichts anfangen, weil sie nicht drüber nachdenken können. Sie hinterfragen nichts, machen sich keine eigenen Gedanken und beten gedankenlos alles nach, was ihnen gerade am geschicktesten vorgesetzt wird. Und es stimmt, die schlimmsten Nachbeter sind nicht die Ungebildeten, sondern die, sich oberschlau vorkommenden "Halbgebildeten", die irgendwann gehört haben, Antibiotika schwächen das Immunsystem und aus diesem Grunde den Kinderarzt wechseln, weil der ja ständig dieses Giftzeug verschreibt.
Ich muss mal was erzählen, darin gehts auch um Verstand und Hokuspokus:
In meiner Kindheit fuhren wir jedes Jahr in den Ferien in das Heimatland meiner Eltern. Ich war dort jedesmal krank, weil ich das ungewohnte Essen und das sicher nicht lupenreine Wasser nicht vertrug. Einmal, ich muss so 4 oder 5 gewesen sein, wurde ich sehr schlimm krank. Ich hatte wohl so einen rohen Schafskäse gegessen und mich wahrscheinlich mit irgendwelchen schlimmen Bakterien infiziert. Mir gings wirklich schlecht, ich war spindeldürr und meine Mutter hatte Angst um mich. Sie wollte mich ins Krankenhaus schaffen. (Sie ist Krankenpflegerin gewesen). Aber die Dorfleute (darunter auch etliche gebildetere als meine Mutter) meinten sich sicher zu sein, dass ich den bösen Blick erwischt hatte. Sie bequatschten meine protestierende, besorgte Mutter mich zu einer Heilerin zu bringen, die mich vom bösen Blick befreien sollte. Dort war es echt unheimlich (ich habe so dunkle Erinnerungen daran). Meine Mutter war umzingelt von lauter bornierten abergläubischen Verwandten und ich wurde besprochen. Irgendwann wurde es meiner Mutter zu bunt. Sie packte mich, organisierte eine Mitfahrgelegenheit und brachte mich in die Hauptstadt ins Krankenhaus, wo mir das Leben gerettet wurde. Das war sehr mutig, weil sie von allen Verwandten vorgeworfen bekam, mein Leben zu gefährden, eine Ungläubige zu sein und überhaupt ein schwarzes Schaf. Sie hat sich nicht beeindrucken lassen und hat getan, was ihr Verstand ihr sagte. Ich habe das sehr gut mitbekommen und habe mir geschworen an kein Hokuspokus zu glauben, sondern immer gut nachzudenken.
Deshalb bin ich so schockiert, dass es heute, über 30 Jahre später, noch Mütter gibt, die ihren Kindern Bernsteinketten umhängen und mit Zuckerkügelchen ihre Gesundheit gefährden. Und noch schockierter über manche Ärzte, die diesen Humbug auch noch unterstützen.
Oh, ist aber lang geworden. Ich hoffe, Sie nicht allzusehr gelangweilt zu haben und wünsche einen schönen Abend.