Über den unverschämten und gefährlichen Riesen-Bluff dieser ganzen Figuren.
Staatsanwaltsreif ists.
ALLE genannten "Methoden" sind übelster Betrug,aber eben bei Unheilpraktikern und Homöopathen UND AUCH "ÄRZTEN" üblich.Damit verdienen die ihr illegales Geld.
Aus einem STERN von 1991.
Der Bericht hat wohl nichts oder kaum etwas bewirkt,denn das Betrügerwesen hat sicher zugenommen.
Dieser Text ist leider unvollständig.Ich habe nochmal beim Stern nach dem kompletten Text nachgefragt.
Aber lesenswert ists allemal:
Seit Jahren flattern STERN-Mitarbeiterin Krista Federspiel
Broschüren und Prospekte alternativer Heiler ins Haus, die
wundersame Dinge versprechen. Von heilkräftigen "ultrafeinen
sechsditnensionalen Wellen" ist da die Rede, von
"Immunstimulation" oder "organspezifischer Induktion". Die
Medizinjournalistin wollte endlich einmal wissen, was tatsächlich
hinter diesen "anderen" Methoden steckt, denen Millionen
Menschen vertrauen und mit denen Milliarden verdient werden.
Gemeinsam mit der Pharmazeutin und Journalistin Vera Herbst
hat sie nach einjährigen Recherchen das Buch "Die andere
Medizin" geschrieben, das von der "Stiftung Warentest"
herausgegeben wird. Darin sind 78 alternative Diagnose- und
Heilverfahren beschrieben und bewertet. Ein Team von fast zwei
Dutzend Wissenschaftlern hat die Autorinnen beraten.
Krista Federspiel teilt in Wien ein Journalistenbüro mit
Hans Weiss. Der Pharma-Kritiker und Bestseller-Autor
("Gesunde Geschäfte", "Bittere Pillen") bekam vom ersten
Tag an mit, welchen Hokuspokus manche alternativen
Mediziner betreiben und wie viele leidende Menschen ihnen
auf den Leim gehen. So kam er auf die Idee, am eigenen Körper
zu testen, wie Heilpraktiker und Naturärzte arbeiten. Hans Weiss und Krista Federspiel, beide nachweislich kerngesund, besuchten als "Patienten"
Koryphäen der alternativen Zunft -und bekamen von jedem
Heiler andere Krankheiten bescheinigt: vom Nierenschaden
bis zum Krebs. Ihre Reportage "Wunderheiler und
Krankbeter" beginnt auf Seite 100. Im Anschluß daran stellt
der STERN 33 "sanfte" Heilverfahren und deren Nutzen und
Risiken vor.
Gleich wird der Zahnarzt ins Zimmer kommen, mir eine Spritze in den Mund jagen und eines dieser schrecklichen Instrumente in die Hand nehmen. Ich werde wie betäubt sein, unfähig, mich zu wehren.
Noch habe ich Zeit, vom Behandlungsstuhl zu steigen und die Praxis des Karlheinz Mühle in Hamburg fluchtartig zu verlassen. Habe ich mich da nicht auf eine zu riskante Sache eingelassen?
Ich bin kein echter Patient.
ich spiele nur. Ich werde in den nächsten Tagen - so wie meine Kollegin-in Deutschland herumreisen, um Heilpraktiker und Ärzte zu besuchen, die Naturheilverfahren anwenden. Wir wollen wissen, wie sie Krankheiten feststellen und behandeln und wieviel Geld sie verlangen. Auf Befragen werde ich erklären, daß ich seit kurzem an einer unerklärlichen Abgeschlagenheit leide. Es ist
eine Notlüge, die ich gebrauche. Alle weiteren Fragen werde ich wahrheitsgemäß beantworten.
Ich fühle mich vollkommen gesund - und ich bin gesund, nach den Regeln der Schulmedizin. Mein Hausarzt in Wien hat alles getestet, mit EKG, Blut- und Urinuntersuchungen.
Die Tür geht auf, Herr Mühle kommt herein und fordert mich nicht etwa auf, den Mund zu öffnen, sondern beginnt ein Gespräch:
über seine Zeit als Dramaturg am Theater.
Beinahe vergesse ich, weshalb ich hier bin: Ich will eine Kirlian Fotografie machen lassen, eine Diagnose-Methode, mit der man alle Krankheitszustände erkennen soll. Ich setze mich also
an den Apparat - Mühle hat immer noch kein Interesse an meinen Zähnen gezeigt und spreize alle zehn Fingerspitzen auf ein Fotopapier. Die Assistentin drückt auf einen Knopf, und jetzt sprühen rund um meine Fingerkuppen Funken - angeblich strahlt hier meine Energie. In Wirklichkeit sind es ungefährliche, hochfrequente Wechselströme, die vom Gerät auf die Haut überspringen.
"Alles kann man an dem Foto erkennen", sagt Mühle, "Krankheiten, den Zustand Ihrer Zähne, alles."
Der Zahnarzt kommt ins Reden, erzählt von der Theorie, daß hinter jedem Zahn-schmerz ein bestimmtes Lebensproblem steckt, und daß Medikamente Charaktereigenschaften haben.
Schließlich lege ich ein Geständnis ab, erkläre, daß ich nicht nur als Patient hier bin. So werde ich es bei allen Besuchen machen.
Meine Diagnose bekomme ich erst einige Tage später: Leber, Lunge, Lymphe und Nieren sind nicht in Ordnung. Und meine AmalgamPlomben sollten durch Gold ersetzt werden - das empfiehlt er mir, ohne ein einziges Mal in meinen Mund geschaut zu haben.
Zum Abschied legt mir Mühle nahe, unbedingt jenen Heilpraktiker aufzusuchen, der die Kirlian-Fotografie weiterentwickelt hat:
Peter Mandel aus Bruchsal. Dieser Vorschlag deckt sich mit unserem Plan: Wenn wir jeweils zwei Vertreter derselben Diagnosemethode besuchen, können wir besser vergleichen: Wenn zwei dasselbe tun, dann sollte das Ergebnis zumindest ähnlich sein.
Welch ein Irrtum!, Wir haben 14 alternative Heiler besucht - sechs Heilpraktiker und acht Mediziner, und wir haben 14 verschiedene Diagnosen erhalten. Keine einzige stimmt mit der anderen überein. Wenn ich alle zusammenrechnen würde, wäre ich von Kopf bis Fuß ein kranker Mann - und meine Kollegin Krista Federspiel dem Tode nah.
Vertrauen einflößen können die alternativen Heilen nur, wenn man lediglich einen einzigen besucht und bedingungslos glaubt, was er sagt.
In der Praxis von Peter Mandel herrscht großes Gedränge. Ich werde in einen abgedunkelten Raum gebeten, und eine Assistentin fertigt eine Kirlian-Fotografle an. 150 bis 200 Aufnahmen mache sie am Tag, sagt sie.
Ich fange an zu rechnen:
85 Mark zahle ich für Fotografie und Beratung, das sind dann pro Tag. . . Dazu kommen noch diverse andere Behandlungen, "Esotherik-Seminare" (Kostenpunkt: 244) Mark), "Farbbrillen zu 340 Mark. Körperemulsionen und so weiter und so weiter. Jedenfalls muß bei Mandel sofort in bar oder per Scheck bezahlt werden.
nach zweieinhalb Stunden werde ich zu einem seiner Mitarbeiter gebeten (beim Meister selbst hatte ich keinen Termin bekommen). Der Heilpraktiker nimmt die Kirlian-Fotografie in die Hand, stellt keine Fragen und legt gleich los:
Er sagt, daß ich "vom Boden aufgesaugt werde",dass mein Denken aus dem Gleichgewicht geraten sei, und da! der Enddarm!, ja, man sieht es deutlich! und die Zähne, ja!, da ist auch was!
Seine Wortkaskaden machen mich ratlos. Deshalb versucht er es noch einmal, langsamer, eindringlicher, wie bei einem Kind.
Was hängenbleibt, ist fol
gendes: Meine Gehirnfunktionen sind aus dem Gleichgewicht geraten - als Behandlung empfiehlt er mir das regelmäßige Anhören einer Farbklang-Therapiecassette ("Die können Sie draußen an der Rezeption kaufen, zu 45 Mark!"), um eine "audio-energetische Harmonisierung" zu erreichen. Auch mit meinem Herz stimmt etwas nicht. Als Therapie bekomme ich siebe homöopathische Medikamente verschrieben.
Am selben Tag besuche ich den international bekannten Iris-Diagnostiker Willy Hauser im schwäbischen Heimsheim. Dessen Mitarbeiter sieht mir mit einem Vergrößerungsgerät in die Augen und stellt was ganz Neues fest: Eine latente Bauchspeicheldrüsen-Entzündung! Ich verlasse die Praxis mit einem Rezept und einer Ernährungsrichtlinie und plane einen Besuch bei einer als"sehr gut" beschriebenen IrisDiagnostikerin in Berlin. Meine Iris ist-ich schwöre es
- in der Zwischenzeit unverändert geblieben.
Frau Lisa Beuermann nun, die an einer Heilpraktiker-Schule unterrichtet, liest aus meiner lris eine Überforderung der linken Niere, "möglicherweise schon eine Schädigung", ab. Auch dagegen gibt es ein Rezept: vier homöopathische Medikamente, Kräutertee und eine Ernährungsumstellung in Richtung Vollwertkost.
Um nun endlich Klarheit über meinen Gesundheitszustand zu erhalten, probiere ich die allerneueste Methode: eine Bioresonanz-Messung, auch Bicom-Analyse genannt. Mit einem Apparat sollen die elektromagnetischen Schwingungen an wichtigen Körperpunkten gemessen und damit alle krankhaften Vorgänge entdeckt werden.
Den ersten Test lasse ich bei Rainer Bruns in Dortmund durchführen. Auf seinem Türschild steht: "Praktischer Arzt, Naturheilverfahren, Psychotherapie". Mit einem Metallgriffel fährt er an die "Akupunkturpunkte" neben meinen Nagelwurzeln und beobachtet auf einem Meßgerät den Zeiger-Ausschlag. Als wichtigstes Problem entlarvt der Doktor meinen Dickdarm - wieder eine neue Diagnose.
Als Therapie soll ich sieben verschiedene homöopathische Medikamente nehmen, unter anderem das Rauschgift Cannabis! Wahrscheinlich, meint er, werde ich das Mittel in der Apotheke nicht bekommen. Für diesen Fall bietet er mir an, die verdünnte Droge selbst zu besorgen.
Den zweiten Bicom-Spezialisten, Dirk Abhöh, besuche ich in Düsseldorf. Er erklärt sofort, daß ich eine Allergie hätte. Um herauszufinden, wogegen ich allergisch bin, nimmt er seinen "Zauberstaub" in die Hand -eine Art messingglänzenden Morgenstern. der an einem Draht schwingt‚ tastet gleichzeitig mit einem lnfrarotgerät die Schwingungen von verdächtigen Nahrungsmitteln und Giftstoffen ab. die in Hunderten von Glasröhrchen stecken, hält den Zauberstab vor meinen Bauchnabel und wartet. Fängt der Morgenstern wagerecht an zu schwingen, heißt das "Nein - ich bin nicht allergisch dagegen". Schwingt er jedoch auf und ab, zeigt das eine Allergie an.
Ergebnis: Ich bin allergisch gegen Zucker. Käse, Schweinefleisch, Wurst, das Weiße vom Ei und eine Unzahl von Lebensmittelchemikalien.
Bei einem zweiten Termin "testet" Abhöh mit seinem Bicom-Gerät, ob Blut, Speichel, Harn und Kot bei mir "rechts- oder Iinksdrehend" sind, stellt entsetzt fest, daß sich in meinem Mund ein "Amalgam-Kraftwerk" befindet ("das muß alles raus!"), schickt mir durch ein umgeschnalltes Stirnband "Energie" in den Kopf, läßt mich ein Glas Leitungswasser trinken, das er per BicomGerät auf wundersame Weise mit meinen Eigenschwingungen versetzt hat, und kommt zum großen Finale:
Der Suche nach dem richtigen Medikament.
Er nimmt fünf Zettelchen, schreibt fünf verschiedene Rezepte drauf, knüllt sie zusammen und befiehlt mir, eines nach dem anderen in die rechte Hand zu nehmen.
Gleichzeitig muß ich den linken Arm ausstrecken und versuchen, dem Druck seiner Hand entgegen zu halten. Bei vier Zettelchen drückt er mir den Arm kräftig nach unten, beim fünften bleibt mein Arm oben - "das ist das richtige Medikament", sagt er. entfaltet das Rezept und liest mir vor: "Meteoreisen/Phosphor/Quarz". Er meint es ernst.
Sehr ärztlich, aber ebenso obskur geht es zu bei Dr. med. K. Blank in Witten. der gemeinsam mit seiner Frau Hannelore Auras-Blank die "holistische Blutdiagnostik" praktiziert - etwa 40mal am Tag. so erzählt eine Angestellte.
Eine Helferin sticht mir in die Kuppe des linken Ringfingers und schmiert das hervorquellende Blut auf ein Glasplättchen. Aus dem Zustand des getrockneten Blutes liest Frau Auras-Blank meine Krankheiten ab, schreibt sie auf einen Zettel, und reicht diesen an ihren Mann weiter.
Dann sitze ich vor Dr.
gibt Zusammenhänge zwischen den Meßpunkten und den Organen. Das ist wie beim Telefonsystem - man wählt eine ganz bestimmte Nummer und kommt an den gewünschten Gesprächspartner." Nun "telefoniert" er mit meiner Gebärmutter -und stellt eine Entzündung fest. Wie seltsam: Das Gerät hätte eigentlich melden müssen: "Kein Anschluß unter dieser Nummer", denn ich habe keine Gebärmutter mehr. Doch nach Operationen hat der Arzt vor dem Test nicht gefragt.
Dr. Ruf hat an fast allen meiner Innereien etwas auszusetzen, findet Störungen und Spuren von Infektionen, wie zum Beispiel LambliaParasiten und Stuttgarter Hundeseuche. Zuletzt bestimmt er mit dem Gerät die nötigen Gegenmittel und übergibt mir ein Rezept, das 71 verschiedene Medikamente umfaßt. Unter anderem soll ich mir rund 500 Ampullen in den nächsten Monaten spritzen lassen. Gesamtkosten: über 10(X) Mark.
Eine letzte Überraschung bringt die Rechnung, die ich zur Vorlage beider Krankenversicherung verlange: Dort tauchen Diagnosen auf, von denen während der Untersuchung nicht die Rede war:
"Verdacht auf Psoriasis" und "Hautpilz". Und Untersuchungen, die er gar nicht vorgenommen hat.
Einen Tag später lasse ich im Schwäbischen eine "Gegenprobe" mit der gleichen Meßmethode machen, bei einem Arzt aus dem Vorstand derselben Gesellschaft. Der Internist nimmt sich ebenfalls zwei Stunden Zeit, aber er nützt sie, um mir eingehende Fragen zu stellen, und erzählt, daß er in der Kommission des Bundesgesundheitsamts für "Biologische Medizin" mitarbeitet.
Dieser Arzt findet weitere Schwachstellen. Nur mein Herz schlägt offenbar ohne Fehl. Ich bekomme 2l Mittel verschrieben, "sämtlich in eine Spritze aufzuziehen und unter die Haut oder in den Muskel zu injizieren".
Der erste Heilpraktiker in meinem Leben heißt Wolfgang Prawda. Er ordiniert in Würzburg und wird mit Hilfe der "Bioelektronik nach Vincent" (BEV) mein "biologisches Terrain" ausmessen. Das Gerät soll künftige Krankheiten erkennen, Jahre bevor sie ausbrechen -sozusagen apparative Wahrsagerei.
Der Heilpraktiker entnimmt aus meiner Armvene ein wenig Blut, gibt es in ein Näpfchen und steckt dies an ein Gerät. Bedenklich beobachtet er die Digitalanzeige:
"Das Blut ist zu sauer, die Milz nicht in Ordnung. Die Mediziner vergessen immer die Milz." Danach wäscht Wolfgang Prawda das Gefäß in seinem Labor aus. Es ist in der Toilette untergebracht, die ich vorher benutzt habe. Nun füllt er das Näpfchen mit meiner Spucke, anschließend mit meinem Morgenharn.
Die Meßdaten überspielt Herr Prawda per Fax an eine Computerzentrale in Stuttgart. Derweil gibt er mir Ratschläge für richtige Lebensführung: statt Müsli zum Frühstück Baguette, kein saures Obst, viel trinken, nicht zuviel nachdenken und mindestens einmal in der Woche Joggen. Schriftlich bescheinigt er mir: schwere Vergiftung der Lymphe.
Dann kommt die Vincent-Diagnose aus dem Fax. "Sie haben Glück im Unglück", freut sich der Heilpraktiker mit mir, "ich habe mich geirrt." "Ohne Befund", meldet das Blatt. Und: "Biologisches Alter: 51 Jahre." Es hätte schlimmer kommen können: Ich bin 50.
Sechs Tage später bin ich um 32 Jahre gealtert.
Und das, obwohl in der
Praxis von Dr. med. Wilhelm
Christ in Bonn ebenfalls
BEV angewendet wurde.
Als ich den Befund von Christs Vincent-Gerät in die Hand bekomme, erschrecke ich. "Maximales Thrombose-Risiko" steht da, "biologisches Alter 82" und "Präcancerose", Vorstadium von Krebs. Die Rechnung - 537,66 Mark - kommt mit der Post: Sie bescheinigt mir auch "vegetative Regulationsstarre" und "Verdacht auf Furunkulose".
In Westernboots, Jeans und lila Hemd empfängt mich der Arzt Reinald Habel in seinem "Vita Centrum in Braunschweig, wirft einen Blick auf mein Geburtsdatum und sagt: "Aha, ein Skorpion, Sie lassen sich selbst und anderen keine Fehler durchgehen." Ich komme nicht dazu, auch nur einen halben Satz zu sagen. "Patientenlügenimmer. Das Blutbild ist viel ehrlicher", sagt Habel. Er nimmt mir Blut ab, läßt es gerinnen und erzählt, daß er "sogar unter Naturheilern als Exote" gilt, weil er die Spagyrik-Blutanalyse mitentwickelt hat. Kosten: alles in allem 719,50 Mark. Im Laborbefund steht: "Sklerose im zentralen Nervensystem", die Lungenwerte sind im "Krebs-Bereich". Wohl deshalb gibt er mir ein Fläschchen mit alkoholischer Lösung meines Blutes zum Einnehmen mit. Ich wußte schon immer, Alkohol hilft bei Kummer!
Blut ist ein besonderer Saft. Der Heilpraktiker Arno Schinzel in Stöckheim
Vergleichsstudien und Langzeitbeobachtungen ausgewertet. Beurteilt wurden die einzelnen Verfahren nach Nutzen und Risiken. Angebliche Wunderheilungen wurden genauso registriert wie schwere Nebenwirkungen oder Todesfälle.
Ausschlaggebend waren jedoch:
• Schlüssigkeit. Entsprcehen oder widersprechcn die Grundgedanken eines Verfahrens der Anatomie und Physiologie des Menschen? Findet man in der Iris des linken Auges tatsächlich Hinweise auf die Funktion der linken Niere? Sagt der elektrische Widerstand einer Fingerkuppe wirklich etwas aus über den Zustand des Enddarms?
• Vergleichbarkeit. Ist die Wirksamkeit der Methode mit der anderer Methoden verglichen worden?
• Uberprüfbarkeit. Kann jede Klinik. jeder Mediziner das Diagnose- oder Behandlungsverfahren nachvollziehen?
• Wiederholbarkeit. Lassen sich mit der gleichen Methode beim selben Patienten immer wieder die gleichen Ergebnisse erzielen?
"Wir haben alle Verfahren nach Kriterien beurteilt, die für seriöse Wissenschaft gelten". sagt Krista Federspiel. "Allerdings entziehen sich manche Methoden alternativer Medizin absichtlich diesen Prüfkategorien." Andererseits legen einzelne Bereiche der alternativen Medizin inzwischen selbst großen Wert auf wissenschaftlich seriöse Dokumentation und Diskussion ihrer Daten. etwa Akupunktur, Homöopathie und Anthroposophische Medizin.
Empfohlen wurden nur Methoden. bei denen der Nutzen vielfältig und nachvollziehbar dokumentiert ist, keine Gefahren bei der Anwendung bekannt oder bestenfalls geringe. vertretbare Risiken beschrieben sind. Abgeraten wird von Verfahren, deren Wirkungsweise nicht schlüssig erklärt, deren Nutzen nicht nachgewiesen werden kann oder die mit erheblichen Risiken verbunden sind.
Die Ergebnisse des Buches werden viele landläufige Vorstellungen erschüttern. Immerhin denken laut einer Infratest-Umfrage 80 Prozent der Bundesbürger positiv über Naturheilkunde. 70 Prozent vertrauen gelegentlich alternativen Verfahren, und rund die Hälfte verwendet regelmäßig Naturheilmittel.
Sieben von zehn niedergelassenen Ärzten wenden unkonventionelle Heilmethoden an; mehr als 30 000 von ihnen sind in den Fachgesellschaften für Elektroakupunktur, Neuraltherapie, Mikrobiologie usw. organisiert. Von Allgemeinmedizinern und lnternisten bekommt bereits jeder fünfte Patient hømöopathische Medizin verschrieben. Vor allem wird sie von rund 7300 Heilpraktikern in Deutschland verabreicht.
Die alternative Medizin ist ein lohnendes Geschäft. Mehr als vier Milliarden Mark gaben die Krankenkassen 1989 für Naturheilmittel aus. Die Mitglieder legten noch einmal 4,5 Milliarden Mark drauf für Präparate und Behandlungen, deren Kosten die Versicherungen nicht erstatten. Experten schätzen, daß die Gesamtumsätze unkonventioneller Heilmethoden etwa 12 Milliarden Mark betragen.
Die Naturheiler profitieren vor allem von den Selbstheilungskräften. Viele von denen, die mit neuen Beschwerden zum Arzt gehen,
werden auch ohne medizinische Intervention gesund. Der Körper wird selbst mit der Krankheit fertig. Gute Voraussetzungen für Alternativheiler, die sich auf "natürliche Ressourcen" berufen, "Gesundheit aus eigener Hand" versprechen und ihre Therapie als Zündfunke für die Selbstheilungskräfte des Organismus verstehen.
Zum anderen nutzen viele Methoden den PlaceboEffekt. Scheinmedikamente ohne Wirkstoff ("Placebos) erzielten in Vergleichsversuchen bei 95 Prozent aller Fälle mit Kopfschmerzen und bei jedem zweiten Patienten mit Magen-Darm-Störungen den gleichen Erfolg wie echte Präparate. Ein Effekt, den Schulmediziner ebenfalls nutzen. Auch wenn sie pharmazeutische Mittel einsetzen, bewirken Glaube und Sehnsucht nach Linderung oft genau soviel wie die Arznei.
Da sich Alternativheiler meist mehr Zeit für den Kranken nehmen als die meisten konventionell arbeitenden Arzte, da sie eher das Gefühl vermitteln, den leidenden Menschen ernst zu nehmen, können sie ihre Patienten besser motivieren für die natürlichsten Verfahren gungstherapien, für Diät oder regelmäßige Schlafenszeiten. "Trotz unserer kritischen Bilanz lehnen wir Naturheilkunde nicht in Bausch und Bogen ab", sagt Krista Federspiel. In bestimmten Fällen könne sie sich durchaus vorstellen, an sich eine Kneippkur oder eine Akupunkturanwenden zu lassen-"Voraussetzung wäre freilich, daß der Mediziner, der mir die Behandlung verschreibt, mich vorher nach allen Regeln der ärztlichen Kunst untersucht hat."