Die überwiegende Zahl ( 98% ) aller Geburten in Deutschland findet in Kliniken statt. Bei ca. 90 % aller Geburten werden routinemäßig Interventionen durchgeführt, wie z.B. venöser Zugang, Eröffnung der Fruchtblase, zu frühes Pressen statt aktives Mitschieben, Dammschnitt und Kristellerhilfe, d.h. starker Druck von außen auf die Gebärmutter.
Außerdem werden ca. 25 % aller Kinder durch Kaiserschnitt oder vaginaler Operation entbunden. Der Kaiserschnitt auf Wunsch wird zunehmend als Alternative zur spontanen Geburt diskutiert und angeboten.
Die Internationale Vereinigung der Gynäkologie und Geburtshilfe ( FIGO)
sagt hierzu:"Gegenwärtig ist auf Grund klarer Beweise, daß es keine eindeutigen Vorteile gibt, die Ausübung einer Kaiserschnittentbindung aus nicht-medizinischen Gründen ethisch nicht gerechtfertigt" (1999) 123-127.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt 70-80% aller Geburten als normal. Ihre Definition dafür lautet: "Spontaner Geburtsbeginn bei niedrigem Ausgangsrisiko und gleichbleibend wenig Auffälligkeiten während des Geburtsverlaufes. Das Neugeborene wird aus Schädellage spontan mit einem Gestationsalter von 37 bis 42 vollendeten Wochen geboren. Post partum befinden sich Mutter und Kind in gutem Allgemeinzustand" (ebd. 1996)
Daüber hinaus kritisiert die WHO, daß die überwiegende Zahl der Interventionen (ca. 90 %) ohne wissenschaftlich abgesicherte Basis durchgeführt werden. Als Beispiele seien genannt Geburtseinleitung, Dauer-CTG, Dammschnitt.
In Übereinstimmung mit weltweiten Forschungsergebnissen vertritt der BUND DEUTSCHER HEBAMMEN die Auffassung, daß die derzeitige Dominanz der Technik in der Geburtshilfe durch ein sachgerechtes Zusammenspiel von Hebammengeburtshilfe und Medizin ersetzt werden soll. Mehr Interventionen und Technik erreichen keine besseren Geburtsergebnisse, vielmehr stellt die kontinuierliche vorgeburtliche Betreuung und der Beistand bei der Geburt derzeit die einzig effektive Möglichkeit dar, die Rate von Morbidität un Mortalität zu senken.
( Auszüge aus "Plädoyer für eine normale Geburt " vom BUND DEUTSCHER HEBAMMEN, 04-2002)
Heißt für mich als Hebamme :
Alle Frauen, die eine normale Geburt anplanen können ( siehe oben, WHO ), sollten NICHT in einem Krankenhaus gebären, da sie dort den 90% Interventionen unterliegen, die zur Zeit weder bei der Mutter noch bei dem Kind ein besseres Ergebnis nach der Geburt bieten.
Viele Grüße, Hebamme
P.S. Herr Kinderarzt, das mit der behindertengerechten Wohnung ist sehr, sehr peinlich von Ihnen. Ich finde, Sie sollten sich entschuldigen.