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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Kinderarzt« (7. Juni 2010, 15:03)
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Zitat
Elend der Individualisierung
Das neue Buch: Dem Heidenheimer Arzt Dr. Thomas Gräßer sind Allergien ein „Signum der Zeit“
Der Autor schreibt aus kenntnisreicher Perspektive: Er ist Allergologe mit eigener Praxis im Ärztehaus an der Heidenheimer Bergstraße. Dr. Thomas Gräßer, 53jähriger gebürtiger Heidenheimer, hat jetzt ein Büchlein veröffentlicht, das eine „neue Sicht“ auf ein immer weiter verbreitetes gesundheitliches Problem wagt.
Vor vielleicht drei Jahren hat Gräßer ein Referat gehalten beim engagierten, der Anthroposophie zuneigenden Heidenheimer Verein „Freies Forum“. Auch damals ging es um Allergien und um Gräßers Ansicht, dass diese „ein Signum des 20. Jahrhunderts“ seien, eine „Zeit-Krankheit“. Das Typoscript hat er seither überarbeitet und erweitert und ergänzt noch durch einen „Anhang“ eines Kollegen, der „aus der Sicht der anthroposophischen Medizin“ heraus argumentiert. Nein, anthroposophische Medizin praktiziere er nicht, aber immerhin pflegt er einen ziemlich ganzheitlichen Ansatz. Denn für Gräßer sind Allergien die Folge einer stark ausgeprägten, ja „gelegentlich überzogenen Individualisierung“ in der Neuzeit. „Unser Immunsystem trägt den Stempel der Individualität“; hinter Allergien steckten „Sehnsüchte nach früherer All-Einheitlichkeit“, wie sie vielleicht einmal die Griechen der Antike besessen hätten, als noch in sich ruhende Menschen. Man nehme zum Beispiel einen Heuschnupfen: Dafür bräuchten die Pollen ja Kontakt zum Immunsystem. Den erhalten sie nicht, wenn die Schleimhäute intakt sind und das Vordringen verhindern. Schleimhäute heute aber seien immer öfter und stärker „porös“. Das sei ein „Offen werden“ und mithin „Ausdruck eines übertriebenen sich Öffnens“. Häufig nehme man da einfach einen Spray, um die Schleimhäute wieder abzudichten. Die medizinische Feststellung der zunehmenden Öffnung etwa gegenüber Pollen seien medizinisches Allgemeingut, erklärt Gräßer auf Nachfrage. Eigen seien aber seine Schlussfolgerungen – eben der Verweis auf die zivilisatorische Bedingtheit. Gräßer gibt zu, selber von Allergien „kaum“ betroffen zu sein; in seiner Familie (er hat drei Kinder) sei das aber anders. Der diplomierte Chemiker und gelernte Facharzt für Innere Medizin (am Klinikum Heidenheim – nach Medizinstudium in Berlin und Ellwangen) hat sich vor 13 Jahren als „pneumologischer und allergologischer Facharzt“ in Heidenheim nieder gelassen. Auch in Akupunktur und Homöopathie hat er sich weitergebildet. Das Buch ist erschienen im Heidenheimer Amthor Verlag; und dessen Verlegerin Eva Maria Amthor ist ja die Ehefrau jenes Bernhard Masur, der ihn vor drei Jahren zum Fachvortrag vor dem Freien Forum eingeladen hat. Womit der Kreis sich schließt. Der genaue Titel seines ab sofort erhältlichen Buches: „Immunsystem und Identitätsbildung. Hiob - Psora – Allergie“. Manfred Allenhöfer
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