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Freitag, 20. Februar 2004, 19:07

Hallo zusammen!

Ich habe eine Frage. Meine Tochter, 7 1/2 Jahre alt, hat auf beiden Ohren einen Paukenerguss. Das wurde im Januar festgestellt. Sie selber hat gemerkt, dass sie schlechter hört. Es ist kein Infekt vorausgegangen, sie hatte auch keine Ohrenschmerzen. Der KA hat mich an den HNO überwiesen. Der Termin war gestern. Der Arzt sah in beide Ohren, bestätigte den Paukenerguss, wunderte sich aber, woher dieser kommt. Denn meine Tochter hat schon seit ihrem 4. Lebensjahr keine Mandeln und Polypen mehr. Und der HNO sagte, der Nasen-/Rachenraum wäre ganz frei, es sei nichts sonst zu erkennen. Dann fragte er, ob eine Allergie bekannt sei und ich verneinte. Daraufhin machte er einen Allergietest. Es kam heraus, dass sie auf Hausstaubmilben reagiert. Dann verschrieb er Nasenballons zum Druckausgleich und Nasonex Nasenspray und Cetirizin Tabletten. Das Nasenspray soll sie zweimal täglich anwenden, die Tabletten jeden Abend eine (es sind 20 Stck. i.d. Packung). Und in 6-8 Wochen soll ich nochmal mit ihr zur Kontrolle. Wenn der Paukenerguss bis dahin nicht weg sei, werden ihr Paukenröhrchen eingesetzt.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass eine Allergie einen Paukenerguss auslösen kann.
Kann diese Allergie mit den Medikamenten weggehen? Eigentlich verschwindet so eine Allergie doch nicht einfach, oder? Was muss ich noch beachten? Wenn sie die Paukenröhrchen doch bekommt, wie verhalte ich mich in Zukunft, damit sie so einen Erguss nicht nochmal bekommt. Und wie geschieht das genau mit dem Abstoßen der Röhrchen, das hab ich nicht verstanden.
Und ist die Medikation so in Ordnung? Bin da doch ein bißchen im Zweifel.
Danke schon mal für Antworten.
Viele Grüße,

Bea

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Freitag, 20. Februar 2004, 22:05

Paukenergüsse treten auf, wenn der Luftweg zum Mittelohr hin (die "Eustachische Röhre" oder "Tube") zugeschwollen ist. Schwellungen müssen nicht unbedingt von kranken Polypen oder Mandeln ausgelöst werden; Schwellungen können auch bei Infekten auftreten - und bei Allergien. Eine Allergie kann auch zur Schleimhautschwellung führen.

Der Paukenerguss ist also ein unspezifisches Symptom. Aus dem Paukenerguss kann man also nicht auf die Ursache schließen.

Eine Allergie kann die Ursache sein. Allerdings muss man sagen, dass gerade bei den Hausstaubmilbenallergien die Diagnose nicht allein aus dem Hauttest gestellt werden kann. Positive Hautteste können nämlich durchaus auch mal falsch positiv sein und negative Hautteste können auch mal falsch negativ sein. Wie kommt das?

Eine Allergie ist eine spezifische Reaktion zwischen einem Antigen (das kommt von draußen in den Körper) und Antikörpern (die sind bereits im Körper). Spezifische Reaktion heißt: "Schlüssel-Schloss-Reaktion". Die Schlösser (Antikörper) sind normalerweise gleichmäßig im Körper verteilt. Aber es gibt Ausnahmen: wenn die Antikörper nur in der Haut, nicht aber in der Schleimhaut sind, dann ist der Hauttest positiv - ein allergischer Schnupfen liegt aber nicht vor: der Hauttest ist falsch positiv. Sind die Antikörper nur in der Schleimhaut, nicht aber in der Haut, dann ist der Hauttest negativ, aber falsch negativ: tatsächlich liegt dann ja doch ein allergischer Schnupfen vor.

Bei den Pollenallergien kann man das leicht überprüfen: der Blühkalender und der Beschwerdekalender müssen übereinstimmen.

Bei Hausstaubmilben funktioniert das nicht: Hausstaubmilben kommen ganzjährig und überall vor. Um die Diagnose sicher zu stellen, muss man also noch einen "nasalen Provokationstest" machen. Erst wenn der positiv ist, ist die Diagnose "Hausstaubmilbenallergie" gesichert.

Wenn denn eine Allergie vorliegt, dann kann man die behandeln, und zwar nur medikamentös (wegoperieren kann man eine Allergie nicht!). Es gibt zwei wesentliche Behandlungsmöglichkeiten: die unspezifische Behandlung mit sogenannten "Antihistaminika" oder mit Cortison (Cetirizin ist ein Antihistaminikum und Nasonex ist ein Cortison-Spray für die Nase), oder die spezifische Immuntherapie (auch "Hyposensibilisierung" genannt). Die unspezifischen Therapien sind rein symptomatisch und haben keine Heilwirkung. Die spezifische Immuntherapie führt nach ca. dreijähriger Behandlungsdauer in den meisten Fällen (mehr als 90 % bis 95 %!) zur Heilung.

Eine schnell eingeleitete Therapie mit einem Antihistaminikum und Nasonex ist sicher nicht falsch. Wenn der Erguss unter dieser Therapie verschwindet, nach Absetzen der Therapie aber wiederkommt, dann ist eine ausführliche Allergiediagnostik inclusive nasalem Provokationstest fällig und man sollte im Falle einer Bestätigung die spezifische Immuntherapie in Erwägung ziehen. Zur schnellen Belüftung der Ohren und damit zur Behandlung der vorübergehenden Mittelohrschwerhörigkeit sind Paukenröhrchen sinnvoll, wenn die konservativen Maßnahmen wie Lufteinblasungen allein nicht ausreichen (bei 7jährigen Kindern muss man nicht mehr unbedingt einen Nasenballon verwenden; das können die Kinder in diesem Alter auch, wenn sie einfach nur die Nase zupressen und "dicke Backen" machen).

Nach dem 7. bis 10. Lebensjahr sind Paukenröhrchen meistens nicht mehr erforderlich. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel. Bei einem 7jährigen Kind würd' ich jetzt nicht primär befürchten, dass gleich mehrfach Paukenröhrchen nötig sein werden.

Die Röhrchen stoßen sich normalerweise ganz einfach ab: man merkt weder als Patient noch als Eltern etwas davon. Das Röhrchen "wandert" im Trommelfell ganz langsam in die äußeren Schichten und von innen verschließt sich das Trommelfell über dem Röhrchen. Schließlich klebt es nur noch von außen auf dem Trommelfell und wird dann langsam mit dem Ohrenschmalz nach außen zum Gehörgangseingang hin transportiert. In seltenen Fällen stoßen sich die Paukenröhrchen über eine Entzündungsreaktion ab. Das kann dann schon mal schmerzhaft sein und mit einer Ohrsekretion einhergehen.

Aber warten Sie erst einmal die eingeleitete Therapie ab. Vielleicht ist es ja doch keine richtige Milbenallergie, sondern "nur" ein Virusinfekt (in diesem Falle sind die Medikamente auch nicht falsch!). Vielleicht ist in einigen Wochen die ganze Episode "Paukenerguss" wieder vergessen!

Viele Grüße
W. Vahle

3

Sonntag, 22. Februar 2004, 19:01

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!
Ich werde dann also erst mal die Medikamente wie verordnet geben und dann den nächsten Termin erst einmal abwarten.
Danke und viele Grüße,

Bea

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Mittwoch, 28. April 2004, 11:39

Hallo,

wollte mal kurz eine Rückmeldung abgeben.

Ich war mit meiner Tochter beim HNO zum Nachgucken, und die Ohren sind wieder frei. Der Hörtest war auch zur Zufriedenheit.

Da bin ich aber erleichtert.

Im Herbst soll ich mit ihr wiederkommen um nochmal nachzugucken und evtl. Maßnahmen zur Desensibilisierung zu ergreifen, wenn der Erguß nochmal auftauchen sollte.

Aber erst mal ist alles gut.

Viele Grüße,

Bea

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