Es gibt im Wesentlichen drei Gründe, die Polypen zu operieren:
1. Eine behinderte Nasenatmung, insbesondere nächtliches Schnarchen oder
2. Häufige Atemwegsinfekte. Die können auch auftreten, wenn die Kinder im infektfreien Intervall nicht schnarchen oder
3. Hörminderungen, insbesondere bei Paukenergüssen, die länger als 3 Monate bestehen.
Für die OP reicht es, wenn einer der drei Gründe vorliegt! Die Gründe müssen nicht alle gleichzeitig vorliegen!
Ein gutes Hörvermögen ist für Kinder im Entwicklungsalter sehr, sehr wichtig!
Wenn ein Paukenerguss noch keine 3 Monate besteht, Ihr Kind gut Luft durch die Nase bekommt und selten Atemwegsinfekte hat, muss es nicht operiert werden.
Vielleicht hat es aber einen Paukenerguss, der schon länger als drei Monate besteht und Sie haben es bloß noch nicht gemerkt. Gerade bei einseitigen Ergüssen kann das vorkommen. Es gibt neben den "harten Zahlen" noch etwas, was man als "Erfahrung des Arztes" bezeichnen könnte.
Es gibt Kinder, die haben noch keine drei Monate einen Erguss - aber ich könnte wetten, dass der Erguss nach drei Monaten nicht weg ist - so wie der aussieht. Und ich habe praktisch immer Recht!
HNO-Ärzte sind nicht "versessen darauf", um jeden Preis Kinder zu operieren. Wenn der HNO-Kollege Ihnen eine OP vorgeschlagen hat, dann hat er sich etwas dabei gedacht!
Ich kann ja gut verstehen, dass man vor einer Herzoperation eine zweite Meinung einholen will - aber vor einer Polypen-Operation? Ich meine, wie weit will man denn den Aufwand noch treiben für eine Operation, die - wenns lange dauert - nach fünf Minuten zu Ende ist und die praktisch keine Komplikationen hervorruft, aber stets gute Ergebnisse und zufriedene Kinder und Eltern?
Es mag Einzelfälle geben, wo eine zweite Meinung sinnvoll ist.
Aber bei Polypenoperationen kann ich nicht allgemeingültig empfehlen, dass alle Eltern grundsätzlich jedes Mal eine zweite Meinung einholen sollen. (Nebenbei bemerkt würde das auch die Kosten im Gesundheitswesen sprengen!). Besser ist: wer Zweifel hat, möge seinen HNO-Arzt noch mal befragen. Ob seine Antwort plausibel ist oder nicht: das kann man auch ohne Medizinstudium entscheiden.
Viele Grüße
W. Vahle