Ich schildere jetzt mal ganz subjektiv meine Erfahrungen zum Thema Kosten in der Apotheke:
Erstens: Eine Apotheke kostet die Krankenkasse kein, Geld, Medikamente kosten Geld.
Das Argument, es gäbe zu viele Apotheken, zieht also nicht.
Das Problem liegt woanders: Es gibt zu viele SCHLECHTE Apotheken. Nur 25% aller Apotheker bilden sich fort- dann aber auch gerne 10mal im Jahr. Der Rest sitzt faul auf dem Hintern und hat keine Ahnung.
In anderen Ländern gibt es sowas wie eine "Approbation auf Zeit", d.h. der Apotheker darf nur weiterarbeiten, wenn er durch Fortbildungen seine Kompetenz bewiesen hat.
Es ist erschreckend, wie schlecht in manchen Apotheken beraten wird. Ich habe selbst ma in so einer Apotheke gearbeitet. Der Chef hatte keine Ahnung von Pharmazie, aber es gab alles ohne Rezept. Hauptsache, der Patient sah nach Geld aus, dann war die Verschreibungspflicht kein Problem mehr.
Selbst Importe (das Rezept muss als Kopie aufbewahrt werden) wurden ohne Rezept abgegeben, der Lieferschein wurde vernichtet.
Auf die Idee, daß man nur mal beim Importeur den Warenausgang kontrollieren müsste, kam er nicht.
Das zweite grosse Problem ist, daß wir für das, was wir vorrangig tun sollen, nämlich beraten, nicht bezaht werden.
Jede Beratung ohne Verkauf ist also ein Minusgeschäft. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt weiterhin zu veil Schund auf dem Arzneimittelmarkt. Mache ich mir die Mühe, dem Kunden diesen Schrott auszureden, mache ich ein Minus. Verkaufe ich den Schrott, mache ich ein Plus.
Eine abrechebare Beratungspauschale gibt es aber für uns nicht.
Gottseidank bin ich in einer Apotheke, in der nicht nur Zeit für die Beratung da ist (weil wir nämlich genügend Leute sind), sondern in der es uns die Kunden auch durch Treue danken.
Trotzdem gibt es immer wieder den Fall, wo man merkt, daß der Patient nach dieser Beratung in die nächste Apotheke gehen wird, um das Zeugs DORT zu kaufen.
Ein weiterer Punkt ist: Wir haben nichts mit den Arzneimittelpreisen zu tun. Ob die Preise steigen oder nicht, liegt an den Phamramunternehmen. Die Aufschläge sind Festaufschläge, von uns nicht steuerbar.
Weiterhin sind wir für Notdienst etc zuständig. Und "gerne" schicken wir auch die Medikamente nach Hause- gratis natürlich.
Und dann kommen solche Schmarotzer wie Doc Morris, umgehen die Festpreise dank Sitz in Holland, und werden dann auch noch mit dem "Innovationspreis 2003" bedacht.
Hätten wir nur die halbe Mehrwertssteuer, sähe es bei uns auch anders aus.
Seit Anfang 2003 gibt es dann noch das sogenannte Vorschaltgesetz: Wir sind gezwungen, den Krankenkassen bis zu 10% Rabatt auf die Medikamente zu geben. Von heute auf morgen. Mit welchen Auswirkungen: Massenkündigungen. Kurzsichtig natürlich. Aber erstmal dient das ganze natürlich dazu, die Mitarbeiter kleinzuhalten. Niemand fragt mehr nach mehr Geld. Nein, wir arbeiten gerne freiwillig unbezahlt mehr.
Und dann gucke ich mir an, was auf manchen Rezept steht, und frage mich ,warum ich diesen Job überhaupt noch machen. Wie oft stehe ich in irgendeiner Arztpraxis, weil der Arzt Quatsch aufgeschrieben hat? Wie oft werden teure Originale verordnet, und zwar ganz grundlos? Und dann gucke ich mir die Krankenkassenpaläste an und mir wird schlecht.
Leider sind die Krankenkassen erst nach drei Wochen in der Lage, eine Genehmigung für künstliche Ernährung auszustellen- in der Zwischenzeit beliefern wir den Patienten (oder soll er verhungern) und warten ab, ob wir das Geld vielleicht erstattet kriegen.
Natürlich gibt es gute Ärzte, die gut und günstig verordnen- aber die Situation ist wahrscheinlich die gleiche wie bei den Apothekern. 25% bilden sich fort, 75% schöpfen den Rahm ab.