Ich habe diesen Sommer zum zweiten Mal ein Praktikum im Sterbehospiz gemacht.
Als Resultat meiner Erlebnisse und Gespräche rate ich dringend, nicht nur ein Testament, sondern auch eine Patientenverfügung auszufüllen. Binnen kurzem kann auch jemand, der gerade noch völlig gesund war, nicht mehr mitteilungsfähig sein. Und dann? Die Verwandten regeln das schon? Wenn sie es können! Oft sind sie mit einer solchen Situation überfordert.
Außerdem lohnt es sich für den "Seelenfrieden", Klarheit in den Beziehungen zu anderen Menschen zu erhalten, Zwistigkeiten zu lösen (wie auch immer) ... und sein Leben zu leben. Wir haben nur dieses eine. Soll es uns gehen wie dem achzigjährigen Herren mit ALS*, und seiner Frau, die voller Bitterkeit sagen, sie hätten sich nur abgerackert, und jetzt, wo sie ihre Leben genießen wollten, geht es nicht? Oder die letzten Wochen an dutzenden Kabeln und Schläuchen hängen? Im Koma weiterbeatmet werden, weil eine 10%ige Überlebenschance besteht?
Am Tod ist nichts schlimmes, das Sterben ist das furchterregende. Mir tut es gut, wenigstens zu wissen, dass es die Möglichkeit der Schmerztherapie gibt. Auch, wenn sie viel zu selten angewendet wird. Nach dem Motto: Wenn wir Ihnen Morphium geben, wird ihr Darm träge, sie sind weniger wach und leben etwas kürzer - da ist es uns doch lieber, sie winden sich in unerträglicher Pein.
Wollte ich mal loswerden.
*ALS= Atrophe laterale Sklerose (?) -> eine Nervenkrankheit, die langfristig zur Lähmung aller Muskeln führt.