Therapieren wollen sie aber grundsätzlich alles:
http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/arti…c=heft&id=10624
Ullrich, J.
Behandlung der Migräneattacke und Migräneprophylaxe: Psychotherapie wirksam
MEDIZIN: Diskussion
Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Prof. Dr. med. Kay Brune, Prof. Dr. phil. Wolf-Dieter Gerber, Priv.-Doz. Dr. med. Hartmut Göbel und Dr. med. Volker Pfaffenrat in Heft 46/1997
Zur Erklärung der Pathophysiologie des Kopfschmerzes ist der psychotherapeutische Mediziner zwar nicht kompetent; jedoch im PET nachgewiesene Durchblutungserhöhungen in Hirnstamm und Mittelhirn während der Migräneattacke erscheinen mir keineswegs eindeutig als primäre Ursache der Migräne, sondern sind ebenso als Epiphänomen oder auch als pathophysiologische Stufe in der Entstehung des Syndroms zu deuten. Es wird in dem Artikel völlig außer acht gelassen, daß seelische Faktoren für die Migränegenese zumindest seitens der psychosomatischen Medizin als wesentlich betrachtet werden. Es gibt durchaus auch Denkmodelle, seelische Konflikte und deren Abwehrmechanismen mit dem körperlichen Substrat bei der Entstehung der Migräne-Attacke in einen nachvollziehbaren Zusammenhang zu bringen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit spielt hierbei der Zervikalbereich mit seinen sympathischen Ganglien eine wesentliche Zwischen-Rolle (als "carrefour psychosomatique" nach Guillain; entsprechend auch der zervikogenen Auslösung von Migräne nach zervikalem Bewegungstrauma oder als Migraine cervicale Bärtschi-Rochaix). Entsprechende Behandlungen sind durchaus erfolgreich, beispielsweise mit Neuraltherapie oder SympathikusBlockade (1).
Die apodiktische Aussage, daß die "klassische Psychoanalyse" (was das auch immer sei) unwirksam sein soll, ist nicht haltbar. Eine analytisch orientierte Psychotherapie ist bei Migräne-Patienten durchaus wirksam, was wir mit zahlreichen erfolgreichen Behandlungen nachweisen können. Daß hier ein wissenschaftlicher Nachweis therapeutischer Effizienz nicht wie bei medikamentösen Behandlungen in Doppelblind- und plazebokontrollierten Studien erfolgen kann, liegt auf der Hand. Daß auch für "Nur-Neurologen" seelische Faktoren bei der Migräneentstehung vorstellbar sind, geht aus den Vorschlägen der "nicht-medikamentösen Therapie" hervor, wo die Autoren "intrapsychische Streß- oder Belastungsempfindungen" zur "Bearbeitung" empfehlen. Hiervon schließen sie jedoch implizit tiefenpsychologisch orientierte Therapeuten aus und sehen hierfür nur "ärztliche und psychologische Verhaltenstherapeuten" als geeignet an.
Literatur
1. Ullrich J: Zur Anwendung der Stellatum-Blockade unter EEG-Kontrolle bei cervicogener Migraine accompagnée. J Neurol 1975; 209: 3021-306.
Dr. J. Ullrich
NeurologischPsychosomatische Klinik
St.-Marien-Hospital
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