Die Stirnhöhlen gehören mit den Kieferhöhlen, den Siebbeinzellen und den Keilbeinhöhlen zum System der Nasennebenhöhlen (NNH). Bei einem eitrigen Schnupfen (einer "Rhinitis") sind die NNH normalerweise mitbeteiligt: die Bakterien kennen ja keine Landesgrenzen mit Schlagbaum! Die wandern einfach von der Nasenhaupthöhle in die Nasennebenhöhlen und dann sprechen wir von einer "Rhino-Sinusitis", was nichts anderes bedeutet als kombinierte Entzündung der Nasenhaupt- und -nebenhöhlen.
Eine solche Entzündung kann zunächst mal medikamentös behandelt werden. Dazu gehören Antibiotika, schleimlösende Medikamente und abschwellendes Nasenspray. Für den Einsatz dieser Medikamente ist eine Differenzierung der Nasennebenhöhlenentzündung in Stirnhöhlen- oder Kieferhöhlenentzündung o. ä. nicht unbedingt notwendig, da alle Formen der akuten NNH-Entzündungen gleich behandelt werden können (und müssen). Antibiotika und schleimlösende Medikamente gelangen über den Darm in das Blut und von dort in jede Nasennebenhöhle. Auch das Nasenspray schwillt die Schleimhäute in den Nasenhaupt- und -nebenhöhlen gleichermaßen ab.
Also kann man sich bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung ein Röntgenbild (mit dem Ziel einer genauen Differenzialdiagnose) schenken: man weiß dann zwar nicht so genau, welche Regionen in der Nase entzündet sind; das macht aber nichts, da das medikamentöse Behandlungsprinzip ohnehin das gleiche ist.
Etwas anderes ist es natürlich bei immer wiederkehrenden (= "rezidivierenden") Entzündungen! Mit Medikamenten kann man eine laufende Entzündung zwar beenden, aber eine zukünftige nicht verhindern! Und wenn die Entzündungen schnell und oft hintereinander auftreten, dann liegt ein grundsätzliches Problem vor!
Dieses Problem heißt: Infektionsquelle!
Wenn alle Leute in meiner Umgebung gesund sind, nur ich bekomme immer wieder Atemwegsinfekte, dann muss ich davon ausgehen, dass ich in meinen Atemwegen eine Infektionsquelle habe, an der ich mich immer wieder selbst anstecke!
Jetzt muss man unterscheiden zwischen solchen Infekten im Kindes- und im Erwachsenenalter.
Im Erwachsenenalter sind oftmals die NNH selbst die Infektionsquelle. Die Schleimhäute der NNH sind dann "chronisch" krank und geschwollen. Dann braucht man eine genaue bildgebende Diagnostik, am besten eine Computertomographie (CT-NNH). Und wenn man dann weiß, wo das Problem liegt, dann muss es gelöst werden. Das läuft dann meistens auf eine Operation hinaus.
Im Kindesalter sind die NNH normalerweise nicht das primäre, sondern ein sekundäres Problem. Das heißt: die NNH sind selbst nicht die Infektionsquelle, sondern sie wurden "angesteckt" (infiziert). Die häufigsten Infektionsquellen im Atemwegssystem der Kinder sind die Rachenmandel ("Polypen", "Wucherungen", "Adenoide") und - etwas weniger häufig - die Gaumenmandeln ("Tonsillen"). (Ganz junge Kinder haben übrigens noch gar keine fertig angelegten NNH! Die NNH entwickeln sich erst etwas später. Bei einem fünfjährigen Kind sind die NNH aber mit großer Wahrscheinlichkeit bereits röntgenologisch nachweisbar.)
Wenn man diesen Kindern die Rachenmandel entfernt, entfernt man die Infektionsquelle und die NNH können - endlich! - zur Ausheilung gelangen. Für die Entfernung der Rachenmandel ("Polypenoperation", "AT") braucht man wiederum nicht unbedingt das Röntgenbild der NNH! Die Strahlenbelastung durch das Röntgen ist zwar gering; aber da man für die OP das Röntgenbild nicht braucht, kann man getrost auf die Aufnahme verzichten. Es sei denn, die Eltern glauben nicht, dass die NNH entzündet sind und wollen einen Beweis: dann geht das nur mit einer Rö-NNH-Aufnahme.
Und selbst wenn ich bei Kindern im Röntgenbild geschwollene Schleimhäute im NNH-Sysem finde: bevor ich bei Kindern die Nasennebenhöhlen operieren würde (Nasennebenhöhlen könnte man auch Augennebenhöhlen und Gehirnnebenhöhlen nennen, so dicht liegen sie neben diesen wichtigen Organen!), würde ich immer die AT vorziehen! Die ist viel harmloser, ungefährlicher und von viel höherer Effizienz! Was nützt es, die kindlichen NNH zu operieren, wenn die Infektionsquelle - die "Polypen" - drin bleibt?
Aus diesem Grunde kann ich nur empfehlen, die Rachenmandel entfernen zu lassen: die Erfolge sind frappierend!
Wie gesagt: im Erwachsenenalter ist das alles ganz anders! Erwachsene haben auch keine Adenoide mehr. Wenn Erwachsene Polypen haben, dann sind das ganz andere Gebilde als die "Polypen" im Kindesalter, weshalb ich die kindlichen "Polypen" auch immer in Anführungszeichen setze!
Nur eines wirkt garantiert nicht: Homöopathie!
Viele Grüße
W. Vahle