Selbst bei 'kunstgerechter' Anwendung der Neuraltherapie nach Huneke kann es zu schweren Verletzungen der Patienten kommen. Stöhr und Mayer (1976) berichteten bereits über fünf Patienten, die Nervenwurzelläsionen nach paravertebraler Injektion von Neuraltherapeutika erlitten hatten.
Pat. S.W.: 75 Jahre alter Patient mit Nacken-Schulter-Schmerzen ohne Wurzelsymptomatik erhielt Injektionen in die untere, rechte Halswirbelsäule paravertebral in Höhe des Übergangs von Hals- zur Brustwirbelsäule (C8, Th1). Es trat Sofortschmerz bei der Injektion auf, die 2.-5. rechten Finger waren eingeschlafen und es kam zu einer hochgradigen Lähmung der kleinen Handmuskeln und der Fingerbeuger. Die gesetzten Lähmungsschäden hatten sich nach 1.5 Jahren nur geringgradig gebessert.
Pat. O.S.: 36 Jahre alter Patient mit Nacken-Schulter-Schmerzen erhielt Injektionen an der linken unteren Halswirbelsäule im Bereich der Wirbelkörper C6 und C7. Es kam sofort zu heftigen, dumpfen Schmerzen an der OberarmAußenseite und der Unterarm-Radiusseite, zu Taubheit der 1.-3. Finger und der radialen Hand, zu einer Lähmung der Hand- und Fingerstrecker, zu mäßiger Lähmung des Biceps und Triceps sowie des Daumenmuskels. Die resultierenden Schmerzen bildeten sich innerhalb 6 Wochen zurück, jedoch war nach 10 Monaten immer noch eine mäßige Lähmung der Handstrecker vorhanden. Die Fingerstreckerfunktion kehrte langsam zurück.
Pat. W.E.: 53 Jahre alter Patient mit akutem Lumbago ohne radikuläre Reiz- oder Ausfallserscheinungen bekam Injektionen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule links paravertebral in Höhe der Wirbelkörper L3 und L4. Es kam sofort zu heftigen, brennenden Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels, zu starker Lähmung der Hüftbeuger, der Adduktoren, Kniestrecker und Fußheber sowie zu einer Schmerzüberempfindlichkeit im Hautbereich um L3-L4. Nach 13 Monaten hatten sich die Schmerzen nicht verändert, die Lähmungserscheinungen waren aber leicht zurückgegangen
Pat. H.S.: 29 Jahre alter Patient mit akutem Lumbago erhielt Injektionen an der unteren rechten Lendenwirbelsäule paravertebral im Bereich L4 und L5. Er erlitt Schmerzen im distalen Unterschenkel und im Hüftbereich, Lähmungen der 1.-3. Zehen, am medialen Fuß und Unterschenkel sowie starke Lähmungen der Zehenstrecker, mäßige Lähmungen der Fußhebermuskeln, der Kniebeuger und der kleinen Gesäßmuskeln. Erst nach 4 Monaten hatten sich die Schmerzen zurückgebildet, es blieben aber Restlähmungen der Zehenstrecker.
Pa. T.K.: 46 Jahre alter Patient mit Lumbago und Wurzelreizsymptomatik im Bereich L5 ohne sensible oder motorische Ausfallserscheinungen bekam Injektionen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule rechts paravertebral in Höhe von L5. Es kam sofort zur Taubheit des Vorfußes einschließlich der Zehen 1-4, zu Schmerzüberempfindlichkeit im Hautbereich um L5, zu einer mäßigen Lähmung der Zehenstrecker und zu einer leichten Fußheberlähmung. Nach 3 Wochen kam es zu einer deutlichen Besserung der motorischen und sensiblen Ausfallserscheinungen.
Kein vernünftiger Arzt würde auch nur annähernd auf die Idee kommen, dieses gefährliche und nutzlose Verfahren an Patienten durchzuführen.
Kawarimono