Etwa 95 % aller Blutungsquellen beim Nasenbluten sind im vorderen Abschnitt der Nasenscheidewand lokalisiert.
Wenn man die Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger fest zusammenpresst, dann wird das Loch des blutenden Gefäßes erst einmal abgeklemmt. Das Blut, das nun im Loch des Blutgefäßes steht und nicht mehr fließen kann, beginnt nun zu gerinnen. Der Gerinnungsvorgang dauert einige Minuten. Nach dem Gerinnungsvorgang kann man die Nase wieder freigeben: das geronnene Blut ist nun zum Klebstoff geworden, der das Gefäß verschließt.
Sollte man zu früh loslassen, wird der "halbfertige" Klebstoff wieder herausgespült und es ist ein frischer, flüssiger Blutstropfen im Gefäßwanddefekt. Der braucht nun wieder die volle Zeit, um zu gerinnen. Wenn die Gerinnungszeit also z. B. 3 Minuten beträgt, dann hilft es nichts, erst einmal 2 Minuten die Nase zuzupressen und anschließend - wenn es weiterblutet - nochmal 1 Minute! Wenn es weiterblutet, muss man also statt 2 Minuten nunmehr 3 Minuten die Nase zupressen! Bei jedem Fehlversuch muss man eine neue - um eine Minute längere - Kompressionsdauer wählen!
Beim Zupressen beider Nasenlöcher kann man nicht mehr durch die Nase atmen. Man muss dann natürlich durch den Mund atmen.
Der Kopf soll nach vorn geneigt werden. Blut ist flüssig und fließt nach unten. Bei Kopfneigung nach vorn sammelt sich das Blut in den vorderen Nasenabschnitten, wo es aber wegen der zugepressten Nase nicht herauskann. Dieses Blut stört aber nicht bei der Mundatmung!
Sollte jedoch trotz Kopfneigung nach vorn Blut aus dem Mund abfließen, dann bedeutet das, dass die Blutungsquelle soweit hinten in der Nase liegt, dass man durch Druck auf die Nasenflügel die Blutungsquelle nicht abdichten kann! Das trifft aber nur auf etwa 5 % der Fälle zu.
Diese 5 % der Patienten können sich dann nicht mehr selbst helfen: es handelt sich um einen Notfall, der vom HNO-Arzt oder sogar von einer HNO-Klinik behandelt werden muss. In solch schweren Fällen muss dann eine Tamponade gelegt werden.
Die Blutungsneigung lässt erst dann wieder nach, wenn die Schleimhaut über dem ehemals blutenden Gefäß wieder verheilt ist. Das dauert etwa 2 Wochen. Aber Achtung: diese zwei Wochen zählen immer ab der letzten Blutung! Tatsächlich kann eine Blutungsneigung also viel länger bestehen!
Die Heilung der Schleimhaut kann man durch Nasensalben unterstützen. Diese Salben sind aber keine "Blutstill-Salben", sondern lediglich "Schleimhautpflege-Salben"! Es ist auch sinnvoll, für eine gewisse Zeit Nasenspray anzuwenden: Nasensprays sind "Vasokonstriktoren", das heißt, sie verengen den Querschnitt der Blutgefäße. Durch einen Strohhalm fließt halt weniger Wasser hindurch als durch einen Feuerwehrschlauch. Und wenn sich die Nase nach dem Nasenspray trocken anfühlt: was gibt es schöneres? Jeder "Nasenbluter" freut sich doch, wenn die blutende Nase endlich trocken wird ... Und das Trockenheitsgefühl geht ja durch die Anwendung der Schleimhautpflegesalbe wieder weg.
Eine "Verschweißung" blutender Gefäße im eigentlichen Wortsinn gibt es nicht. Man kann versuchen, eine blutende Schleimhautregion mit Säuren zu betupfen, um eine kleine Vernarbung auszulösen. Oft ist es aber leider so, dass ein zur Blutung neigender Patient, welcher gerade mal "trocken" ist, sofort wieder anfängt zu bluten, sobald man die Blutungsquelle berührt - und sei es nur mit einem Wattebausch! Ich bin mit Verödungsversuchen also auch ziemlich zurückhaltend. Mitunter kann man die Blutungen stoppen durch eine elektrothermische Koagulation oder durch den Einsatz eines Lasers. Aber das erfordert eine Lokalanästhesie. Und nicht jede Praxis hat einen Laser.
Bei starker Blutungsneigung und häufigen Blutungen sollte man auch mal die Blutgerinnung untersuchen. Bei Erwachsenen auch den Blutdruck: hoher Blutdruck kann zu Nasenbluten führen. Wie häufig Gerinnungsstörungen oder Bluthochdruck im Kindesalter sind, kann Herr Kinderarzt sicher besser beantworten.
Und bei Nasenblutungen sind Aspirin oder andere ASS-haltige Medikamente verboten! ASS macht eine "Thrombozytenaggragationshemmung", was nichts anderes bedeutet, als das die Blutstillung gestört wird und Blutungen länger dauern.
Viele Grüße
W. Vahle