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PRESSEMITTEILUNG: 04.11.2005 | 11:39 UHR | BAYERISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT (STMUGV)
Schnappauf: Impfschutz von Kindern prüfen - Gesundheitsämter starten Impfaktion in Schulen
Im Kampf gegen die Impfmüdigkeit in Bayern starten die Gesundheitsämter jetzt eine Impfaktion in den Schulen. Dies teilte Gesundheitsminister Werner Schnappauf heute zum Bayerischen Impftag mit. 'Bei großen Impflücken drohen Massenausbrüche. Dann werden die sogenannten Kinderkrankheiten zur echten Gesundheitsgefahr. Dabei sind Impfungen die wirksamste und einfachste Schutzmaßnahme und sie sind für jeden verfügbar', erklärte der Minister und bat die Eltern, die Aktion der Gesundheitsämter in den Schulen zu nutzen. 'Mit der Aufklärungsaktion wollen wir der Verunsicherung von Eltern entgegenwirken.' Dazu bieten die Gesundheitsämter in den Schulen Impfpasskontrollen, Impfsprechstunden mit Beratung und Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln, Wundstarrkrampf, Diphtherie, Kinderlähmung, Keuchhusten und Hepatitis B an.
Die Impfung gegen Keuchhusten ist erstmals im Angebot. 'An Keuchhusten erkranken auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Da der Keuchhusten für Neugeborene und junge Säuglinge lebensgefährlich ist, sollten besonders ältere Kinder und Jugendliche, die ein Geschwisterchen bekommen auch zu deren Schutz geimpft sein', empfahl Schnappauf. Die aufsuchende Impfberatung der Gesundheitsämter ist eine wichtige Ergänzung zum Angebot von Haus- und Kinderärzten. Mit Merkblättern werden die Eltern gebeten, den Impfschutz ihrer Kinder überprüfen zu lassen und nötigenfalls aufzufrischen. Die Eltern können ihr Kind dann in der Schule oder vom niedergelassenen Arzt impfen lassen. Das Impfangebot ist für die Eltern kostenlos. Im vergangenen Schuljahr wurden von den Gesundheitsämtern mehr als 11.000 Erst- und Auffrischungsimpfungen durchgeführt.
Die Durchimpfungsraten sind im Vergleich zum Vorjahr insgesamt leicht gestiegen. Über 97 Prozent der eingeschulten Kinder sind gegen Wundstarrkrampf und Diphtherie geimpft und immerhin über 94% auch gegen die Kinderlähmung (Polio). Gegen Masern wurden allerdings nur etwa 90% einmal und sogar nur 58% zweimal geimpft. Diese Impfraten reichen nicht aus, um Massenausbrüche zu verhindern. 'Besonders bedenklich ist die Lage in Regionen mit weniger als 80 Prozent Durchimpfungsrate gegen Masern, wie in den Landkreisen Bad Tölz, Garmisch-Partenkirchen, Unterallgäu und Memmingen. Hier können leicht Masernausbrüche aufflammen', warnte der Minister.
Weitere Informationen: http://www.gesundheit.bayern.de
© Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz - www.stmugv.bayern.de
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Umstrittene Idee: Krankheit als Medizin
Sozialministerin warnt Eltern vor Masern-Partys für absichtliche Ansteckung
Vom 28.07.2005
Von
Harald Kaliwoda
WIESBADEN Es klingt nach einem Scherz, ist aber von etlichen Eltern ernsthaft gewollt. Sie suchen für so genannte "Masern-Partys" akut Erkrankte, damit sich ihre Kinder dort gezielt anstecken und so diese fiebrige und wegen der roten Hautflecken bekannte Kinderkrankheit "auf natürliche Art" hinter sich bringen. Wer Masern hatte, ist den Rest des Lebens immun gegen eine erneute Infektion. Vor allem im Internet finden "Anbieter" von Masern und "Infektionswillige" unkompliziert Kontakt. Zugleich dreschen Gegner und Befürworter in Internet-Diskussionsforen aufeinander ein. Kritiker wettern, Masern-Partykreise seien "kriminelle Vereinigungen" und betrieben "eine neue Form der Kindesmisshandlung". Befürworter dagegen finden, das Durchmachen einer Infektion sei natürlich und der Entwicklung des Immunsystems förderlich.
Mehrere hundert Einträge zum Stichwort Masern-Party sind auch Hessens Gesundheitsministerin Silke Lautenschläger (CDU) aufgefallen und haben sie alarmiert. So etwas sei "kein Immun-Training, sondern unverantwortliches Risiko", warnt die Ministerin. Statt "naiver Selbstinfektion" sollte lieber geimpft werden, was die Krankenkassen ohnehin bezahlen würden. Bei einer Ansteckung sei das Immunsystem rund sechs Wochen geschwächt. In der Zeit könne es zu einer Hirnhautentzündung kommen, warnt die Ministerin.
Moderne Impfstoffe hingegen "ahmen eine Infektion mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern behutsam nach", erklärt sie und betont: "Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit." So seien in Hessen in diesem Jahr bereits mehr als 260 Masernerkrankungen gemeldet worden. Das seien zehnmal so viele wie 2004, und die meisten Fälle habe es im Rhein-Main-Gebiet gegeben.
Um Masern ausrotten zu können, müssten laut Ministerium mindestens 95 Prozent der Kinder zweimal geimpft werden - einmal als Baby nach elf bis 14 Monaten und zum zweiten Mal spätestens kurz vor dem Ende des zweiten Lebensjahres. Noch hat Hessen hierbei großen Nachholbedarf: 2004 waren lediglich 87 Prozent der Schulanfänger einmal und nur 60 Prozent zweimal geimpft.
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