Wenn die Gehörgänge akut entzündet sind, dann bedarf es einer gründlichen Reinigung und einer lokalen Therapie mit Antibiotika und Cortison - am besten auf einem Mullstreifen, der in den Gehörgang gelegt wird. Dieser Streifen hat einen gewissen "Docht"-Effekt und hält die Medikamente fest. Der Streifen sollte 24 Stunden liegen bleiben. Falls die Entzündung nicht weg ist, kann die Streifeneinlage mehrfach wiederholt werden. Zur Nachbehandlung kommen dann auch Ohrentropfen infrage, die Cortison und Antibiotika enthalten.
Während eine lokalantibiotische Behandlung der Haut gewöhnlich nicht mehr praktiziert wird, ist das in den Gehörgängen anders. Die Gehörgänge sind eng und feucht: da beilden sich "feuchte Kammern", in denen die Erreger besonders gut gedeihen.
Wenn die akute Entzündung der Ohren beseitigt ist, ist der Gehörgang möglicherweise immer noch "anfällig" gegen neue Entzündungen.
Zur Vorbeugung: keine Wattestäbchen verwenden! Nur den Überschuss an Ohrenschmalz mit den Fingern und Papiertüchern entfernen! Der Ohrenschmalzfilm im Gehörgang ist normalerweise dünn und versiegelt die Gehörgangshaut gegenüber Wasser und Keime. Wenn man Wattestäbchen benutzt, dann "fräst" man damit den Schutzfilm heraus und man schmiert die Keime in die Gehörgangshaut, wie man mit einem Messer die Butter ins Brot schmiert!
Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, dann empfehle ich zur Vorbeugung folgendes: an einem Tag in der Woche ein wenig Babypflegeöl in den Gehörgang träufeln (das kann mit einem Wattestäbchen geschehen, wenn die Watte getränkt und im Gehörgangseingang ausgedrückt wird). An einem anderen Tag der Woche kann man dann noch Alkohol-Essigsäure-Tropfen einträufeln.
Rezeptur:
Acid. acet. 98 % 0,4 ml
Äthanol 70 % ad 20,0 ml
c. pip.
Mit dieser Rezeptur habe ich recht gute Erfolge gesehen. Aber: eine zuverlässige Verhinderung von Gehörgangsentzündungen für alle Zeiten gibt es nicht! Es ist viel gewonnen, wenn man die Häufigkeit und die Heftigkeit der Entzündungen reduzieren kann!
Die von Ihnen genannten Alkohol-Glycerintropfen sind wahrscheinlich auch nicht schlecht; Erfahrungen damit habe ich jedoch nicht. Ich weiß auch nicht, ob die "Austrocknung" des Gehörganges durch Gylcerin relevant ist, glaube es aber nicht. Man muss diese Tropfen ja auch nicht täglich einträufeln. Und eine gewisse Abtrocknung ist ja auch erwünscht, weil man sonst ja die "feuchte Kammer" behält!
Sollte es unter dieser vorbeugenden Behandlung zur erneuten Gehörgangsentzündung kommen, dann suchen Sie bitte frühzeitig einen HNO-Arzt auf: je früher eine Behandlung erfolgt, desto weniger Schmerzen und desto kürzer die Behandlungsdauer.
Lesen Sie auch mal den Beitrag über die Gehörgangsreinigung:
Gehörgangsreinigung: wie ist es richtig?
Viele Grüße
W. Vahle