Selbstredend sei auch die Lebenserwartung beziehungsweise der Todeszeitpunkt des Patienten exakt ablesbar. Selbst karmische Belastung und/oder Besessenheit von bösen Dämonen sei mittels Pulsdiagnose im Handumdrehen zu erkennen. In verklärendem Tonfall beschreibt eine westliche „Sachbuch“-Autorin eine Pulsuntersuchung bei Tenzin Choedrak, dem „Leibarzt“ des Dalai Lama: „Während die Finger seiner Hände an anderer Stelle drücken und loslassen, offenbaren sich dem Meister die feinsten Schwingungen meiner Organe und meines Seelenlebens (...) die Magie seiner Hände und seiner Stimme durchdringen mein Innerstes. Ich fühle mich vollkommen durchschaut.“
Tatsächlich „offenbart“ sich dem tibetischen Arzt überhaupt nichts, die Pulsdiagnose ist reiner Humbug.
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Behauptungen, mittels Untersuchung des Pulses der Eltern könne das Geschlecht (und das Karma!) eines noch nicht geborenen Kindes bestimmt werden – sogar schon vor dessen Zeugung –, bedürfen ohnehin keines Kommentares; ebensowenig die Behauptung des Dalai Lama, es könne „jemand, der darin sehr geschickt ist, den Atem genau prüfen, und dadurch in der Lage (sein), die Anzeichen eines Todes festzustellen, der noch mehrere Jahre entfernt sein kann, selbst dann, wenn die Person augenscheinlich bei bester Gesundheit ist“.
Genauso unsinnig wie die Diagnose des Pulses ist die des Urins, die zur weiteren Abklärung eines bereits erhobenen Befundes gelegentlich herangezogen wird. Der Urin des Patienten wird dabei in ein eigenes Gefäß abgefüllt und mit einem Holzstab oder einem Bambusquirl aufgeschäumt. Aus der Art und Größe der Schaumblasen ließen sich nun differenziertere Schlüsse auf den Zustand der drei Regelsysteme sowie daraus sich herleitende organische Mißbefindlichkeiten und sonstige Störungen ziehen. Auch Farbe und Geruch des Urins seien sehr aufschlußreich. Wie der frühere Leibarzt des Dalai Lama, Yeshi Donden, erläutert, habe der „Urin eines gesunden Menschen als Farbe im großen und ganzen das helle und fröhliche Gelb der Butter vom ‘Dri’ (weibliches Gegenstück zum Yak). Der Geruch gleicht dem der Sahne, die sich auf der Oberfläche der Milch sammelt.“
KOMMENTAR:
Übelster und debiler Betrug.